Unterhaltungsmusik voller Eleganz und Tiefe

von Redaktion

Das „Trio Divertimento“ spielt im Rosenheimer Künstlerhof selten zu hörende Werke

Rosenheim – Alice Guinet, die nimmermüde Organisatorin der so erfolgreichen Matineen im Künstlerhof erklärte augenzwinkernd das Motto des Konzerts „Divertimento & Co.“

„Divertieren“ heißt im Grunde „unterhalten“, aber Mozart und Co. verstanden unter diesem heute zur Banalität heruntergewirtschafteten Begriff geistigen Elan und bei aller Eleganz doch auch Tiefe. Darüber hinaus hatten Alice Guinet (Flöte) sowie ihre Mit-Musiker Emanuel Wilhelm (Klarinette) und Alejandro Vila (Fagott) ein Programm zusammengestellt, aus dessen Folge in Rosenheim vermutlich noch nie ein Stück zu hören war.

Virtuose
Schwerarbeit

Die einer geistvollen „Unterhaltung“ zuträglichen Kompositionen gingen zwar dem Publikum leicht ins Ohr, für die Interpreten aber war es zum Teil virtuose Schwerarbeit! Bewundernswert, wie sich die Musiker nicht nur die Bälle zuspielten, sondern minutiös miteinander jonglierten. Falsche Töne? Fehlanzeige!

Schon Mozarts „Divertimento Nr. 4, KV 439d“ sprudelte wie bester Champagner. Man kann heute nicht mehr verstehen, dass Papa Leopold seinen Filius immer wieder anhielt, doch nur um Gottes Willen publikumswirksam zu komponieren.

Mittelbar ging‘s mit Mozart weiter: Hans Melchior Brugk schrieb nämlich meisterhafte „Variationen über ein Thema von Mozart“ (op. 10). In Wasserburg geboren, lebte der Komponist bis zu seinem Tod in Brannenburg. Zu seinen besonderen Spezialitäten gehören seine frischen, einfallsreichen, kunstvoll gearbeiteten Bläserserenaden und Divertimenti. Sehr zu schätzen, dass dieser „regionale“, jedoch weithin bekannte Tondichter hierzulande wieder einmal zu den ihm gebührenden Ehren kommt. Auch der Beifall hat bewiesen, dass sich Hans Melchior Brugk selbst vor Mozart oder Beethoven nicht verstecken muss.

Apropos Beethoven: Wer hätte gedacht, dass sich der junge Komponist in seinem „Trio C-Dur“ zu ungemein burlesken Eskapaden hinreißen ließ. Zwar ein Auftragswerk, hat Beethoven doch seine ganze Genialität in dieses charmant-tiefsinnige Werk investiert.

Der aus dem Elsass stammende Charles Koechlin ist vielleicht mit seiner Orchestersuite „Das Dschungelbuch“ einigermaßen bekannt. Dieses Multitalent wäre zwar gerne Mathematiker, Ingenieur oder Astronom geworden. Doch dann wären einem interessierten Publikum äußerst interessante Werke entgangen, beispielsweise das Trio aus dem Jahr 1927. Emanuel Wilhelm gab eine kleine Einführung und so war es unschwer nachzuvollziehen, wie in den langsamen Sätzen die Melodielinien sich wie Lichtstrahlen überlagerten, kreuzten und bündelten. Eine euphorisierende Hörerfahrung.

Finales
Feuerwerk

Das abschließende „Capriccio fantastico“ des italienisch-amerikanischen Leonardo de Lorenzo brach als finales Feuerwerk über die Zuhörer herein. Das „Trio Divertimento“, reaktionsschnell und risikofreudig, steigerte sich quasi zum fülligen Orchesterklang und kostete alle Knalleffekte genüsslich aus.

Die Matineen im Künstlerhof sind wahrhaft „Meisterkonzerte“ im Kammermusik-Format. Zudem meiden sie ausgetretene Pfade, die Programme sind spannend, denn es gibt immer wieder unbekannte Schätze zu entdecken. Nächster Termin – bitte vormerken – ist der 8. Februar.

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