Musik für Klavier, Sandpapier und Cello

von Redaktion

Jugendorchester „Die Arche“ mit üppigem Programm in Stephanskirchen und Bad Aibling

Stephanskirchen – Ein recht üppiges Programm hatte Rainer Heilmann-Mirow mit dem Jugend-Orchester „Die Arche“ erarbeitet und in zwei Konzerten präsentiert: im Antretter-Saal in Stephanskirchen und im Novalishaus in Bad Aibling. Der Antretter-Saal war gut gefüllt und die Zuhörer genossen den Auftritt von zwei jungen Musikern. Zweigeteilt war das Programm: anfangs ernst und dann recht heiter.

Nach der Pause ging’s zum heiteren Teil: Nicht weniger als elf Stücke von Leroy Anderson standen auf dem Programm, vom Dirigenten selber angesagt und teilweise clownesk dargeboten: Für das „Sandpaper Ballet“ kamen drei Jugendliche im Maler-Outfit mit Sandpapier, das sie rhythmisch rieben, für „The Waltzing Cat“ setzte Heilmann-Mirow sich Katzenohren auf, bei „Sleigh Ride“ bliesen die Bläser mit Skibrillen auf dem Kopf – und für „The Typewriter“ kam eine altehrwürdige Schreibmaschine zum Einsatz, die „älter ist als ich“, wie Heilmann-Mirow scherzte.

Auch musikalisch kam der Humor nicht zu kurz: Die Saxofone schmeichelten dem „Girl in Satin“, beim Katzenwalzer miauten die Geigen und trillerte pfiffig die Piccoloflöte, in „The Syncopated Clock“ imitierten die Schlagzeugerjungs eine klingelnde Uhr und beim Morgenspaziergang („Promenade“) schwelgten die Geigen und schritt die Trompete flott aus – alles in gemütlicherem Tempo als im Original.

So locker spielten die jungen Musiker im ernsten Teil vor der Pause nicht, dazu waren die Orchesterpartituren doch zu diffizil. Für das „Miniature Concerto“ von Alec Rowley (1892 bis 1958) kam die 13-jährige Carolina Krieger an den Flügel. Sie hat schon mehrfach bei „Jugend musiziert“ gewonnen und bestach hier durch technische Sicherheit, Präzision und Akkuratesse der vielen Figurationen und Läufe. In seinen Kompositionen „vermied Rowley im Allgemeinen die Moderne“, heißt es in dem Wikipedia-Artikel über ihn, und in der Tat ist seine Musik gefällig, hübsch, farbenfreudig und vergnügt. So erscheint das Anfangsthema lebensfroh, wird ein Menuett mild ironisiert und im Finale hüpft das Rondo-Thema heiter herab. Die kleine virtuose Kadenz absolvierte die Pianistin mit braver Bravour.

Immer wieder bietet Rainer Heilmann-Mirow jungen Talenten eine Bühne: 14 Jahre alt ist die Cellistin Aline Hayer. Sie spielte das technisch schwierige Cello-Konzert von Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921). Die hier verlangte enge Verzahnung des Soloinstruments mit dem Orchester und die rhetorische Deklamatorik des Orchesters gelangen nicht perfekt, weil die einzelnen Instrumente sich nicht immer zu einem Gesamtklang fügen wollten. Unbeirrt davon spielte die Cellistin ihren Part mit Entschiedenheit, sonorer Tiefe und edlem Wohlklang in den Kantilenen sowie gut dargebotenen Läufen. Immer wieder ließ sie das Hauptthema schön aufleuchten. Der Beifall, mit dem sie überschüttet wurde, kam zurecht.

Weil es immer noch Januaranfang und Ballsaison ist, beschloss das Orchester sein Konzert mit dem Walzer aller Walzer, dem Walzer „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauß. Jetzt kam endlich die Harfe zum Einsatz, die schon länger auf dem Podium thronte und jetzt dem Walzer ätherische Klänge hinzufügte. Jetzt waren die jungen Musiker endgültig eingespielt und ausgelassen und so strömte der Walzer geschmeidig dahin und schwang sich mittendrin zu hymnischen Höhen auf – ein reizendes Ende eines üppigen Konzertes.

rainer W. janka

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