Mit Ach und künstlicher Intelligenz

von Redaktion

Unlängst wurde in dieser Serie der Name des Weilers Farnach, Gemeinde Riedering, besprochen. Farnach, 1150 als Uarmage (Mon. Boica 2,298) und Pharmach (Mon. Boica 2,320) belegt und als Edelsitz eines Ministerialen (Beamten) der Herren von Söllhuben bekannt, lautete 1580 sowie 1588 jeweils Varmach.

Das ursprüngliche m im Namen hört man in der bairischen Aussprache bis heutzutage: „Farma“. Auffällig: Der ch-Laut ist auf Boarisch hier nicht zu hören! Der Name besteht laut Hans Meixner, „Die Ortsnamen der Gegend um Rosenheim“, aus den Bestandteilen „Farn“ und „-ach“. Das Bestimmungswort Farn, althochdeutsch faram, faran, mittelhochdeutsch varn, varm, bedeutet „Farnkraut“. Das Grundwort „ach“ besteht hier aus einer Kollektivendung (Sammelendung). Diese bezeichnet „das dichte Beisammenstehen gleichartiger Dinge“ (Meixner). Farnach wurde also auf- grund von sehr viel Farnkraut derart benannt. Es gibt noch viele weitere Beispiele für diese Kombination aus zumeist pflanzlichen Gegenständen mit der Sammelendung -ach in unserer Region.

Aschach: Viele Eschen am Ort. Dornach: Häufung von Dornensträuchern. Erlach und Irlach: Viele Erlen. Reisach: Starkes Vorkommen von Reisern, Laubgehölz. Steinach und Staudach: Namen für Orte, die von einer steinigen Landschaft beziehungsweise von einem Dickicht von Stauden geprägt waren.

Darüber hinaus haben einige Ortschaften das -ch am Namensende nicht nur in der dialektalen Aussprache („Farma“, „Irla“), sondern auch in ihrer Schreibung abgegeben: So feststellbar bei Daxa nahe Frasdorf und bei Taxa nahe Steinkirchen, woraus auf das Vorkommen von sogenannten „Daxen“, Zweigen von Nadelholz, zu schließen ist; Ähnliches gilt für Stocka bei Pang, wo man auf eine ganze Reihe von Baumstümpfen schließen kann.

Einen weiteren interessanten Sonderfall stellt die Einöde Dorner bei St. Margarethen dar: 1224 Dorpach, ohne n für Dorn, 1280 Dornach. Der später entwickelte Ortsname „Dorner“ statt „Dornach“ und „Dorna“ hat entweder das -a der Endung durch das gleich klingende -er in der Schreibung ersetzt – oder es kam zu einer Neubildung mit dem echten Tätigkeitssuffix -er, das hier dann „den am Dornbusch Wohnenden“ bezeichnete.

Fragen wir doch einmal bei der Künstlichen Intelligenz (KI) nach. Die KI geht hier nicht auf die Möglichkeit der Veränderung von -ach zu -a und sodann zu -er ein. Hier heißt es nur: „Der Namenszusatz ‚-er‘ (wie bei Dorner) bezeichnete ursprünglich die Herkunft oder den Wohnort, also ‚der von Dorn‘.“

Die alten Namen „Dorpach“ und „Dornbach“ kennt die KI also nicht!

Ob die KI tatsächlich die Unterscheidung zwischen den Sammelnamen auf –ach und den Namen hinbekommt, die sich von der „Ache“ = Wasserlauf ableiten lassen? Und wie wird die KI Namen wie Pullach oder Brucklach erklären, die weder das Kollektivsuffix -ach noch die Ache im Namen haben? Wir verraten schon das Problem: Bei Pullach steckt die Lohe, ein Waldstück, im Namen. Spannend! höa

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