Zwischen Traum und Erwachen

von Redaktion

Konzertauftakt 2026 mit Christoph Poppen und Tomoko Nishikawa in der Villa Sawallisch

Grassau – Überschrieben mit „Traum und Erwachen“ sorgten Violinist Christoph Poppen und Pianistin Tomoko Nishikawa für Wohlfühlmomente in der Villa Sawallisch zum Auftakt des diesjährigen Konzertreigens. Poppen, international renommierter Professor für Violine, weltweit tätiger Dirigent und jahrelanger Leiter des internationalen ARD-Wettbewerbs, und seine Klavierbegleiterin Nishikawa, international gefragte Solistin und Kammermusikerin mit Lehrauftrag an der Hochschule für Musik und Theater in München, setzten – soviel vorab – ein Ausrufezeichen mit ihrem hervorragenden, intensiven, ausdrucksstarken und detailgenauen Zusammenspiel.

Die Sonate Nr. 1 in G-Dur für Violine und Klavier op. 78 von Johannes Brahms verwandelte den Regen in Musik: Großartig setzten die beiden Musiker weite Spannungsbögen, zeigten große dynamische Bandbreite. Da Poppens schöner, voller Violinton, mal energiegeladen, mal zart-elegant. Und dort zeigte Pianistin Nishikawa ein intensives Vorwärtsdrängen und verstand es gleichzeitig, sensibel den Tonfall ihres Duopartners aufzugreifen. Musik, schwankend zwischen Innigkeit und Melancholie.

Claude Debussys Sonate in g-moll für Violine und Klavier gelang den Beiden nicht minder farbig, mal zart-delikat, mal temperamentvoll: eine impressionistische Klangschönheit eben. Poppen nahm nach romantischem Einstieg sein Spiel bewusst zurück, um sich auf das lange Ausspielen der Spitzentöne – zartschmelzend, nicht süßlich – zu konzentrieren. Wunderbar, wie er auch seine Ausdrucksstärke im nachdenklichen „Intermède“ und dem „Finale, très animé“ unter Beweis stellte.

Die Pianistin bewies kammermusikalisches Einfühlvermögen bei der Gestaltung der Klangteppiche und mit zurückhaltendem Pedalgebrauch. Wunderschön, wie sie die schaukelnden Bewegungen im Klavier zu Beginn des dritten Satzes leuchten ließ.

Nach der Pause stand die Sonate in A-Dur von Cesar Franck auf dem Programm. Das Klavier hat bei dem viersätzigen Werk eine gewichtige Aufgabe, und Nishikawa gelang auch hier bedächtiger Einsatz im Pedalgebrauch und ein charmantes Ausspielen von Rubati und Harmoniewechseln, dem sich ihr Geigenpartner formvollendet anschloss. Die Töne angesungen, nicht schmachtend, und doch mit den Farben spielend – was für eine Liebeserklärung. Hat Franck doch die Sonate dem Geiger Eugène Ysaÿe anlässlich dessen Hochzeit geschenkt. Wunderschön auch, wie inniglich die beiden Musiker den dritten Satz gestalteten.

Nach kurzem spontanen Zwischenapplaus für diese Stimmungsmalerei folgte das Finale, auch wieder wundervoll zart abgestuft. Spannend langsam setzte Poppen zur Schluss-Stretta an, die er mit Tomoko Nishikawa kraftvoll steigerte. Ob der Geiger Eugène Ysaÿe die Sonate seiner Braut vorgespielt hat? Das Publikum fühlte sich jedenfalls auch ohne Antwort auf diese Frage mehr als reich beschenkt.

Als Zugabe folgte noch das „adagio espressivo“ aus der Sonate op. 96, Sonate Nr. 10 von Ludwig van Beethoven: spannend und doch voll von feinem Dialog. Traum und Erwachen – wahre Wohlfühlmomente.

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