Bad Aibling – Bereits etliche Minuten vor Konzertbeginn war der große Saal des Novalishauses schon hoffnungslos überfüllt. In ihrer Begrüßung meinte die Veranstalterin Hedwig Hanus, das Trio „34u“ sei offenbar kein Geheimtipp mehr. Prompt kam fortissimo der bestätigende Applaus der vielen erwartungsvollen Zuhörer.
Muss man‘s noch erklären? Der Name 34u heißt auf neudeutsch „Three Four You“ und meint salopp übersetzt „Wir Drei spielen für euch!“ Diesen drei Wunderknaben steht zwar noch das Abitur am Ignaz-Günther-Gymnasium bevor, sie sind jedoch schon dekoriert von etlichen gewichtigen Preisen und Auszeichnungen: Jakob Kastner (Steirische Ziach und Klavier), Benno Panhans (Gitarre) und Raphael Bauer (Kontrabass).
Nach eigener Aussage spielen sie sich querbeet durch Klassik, Volksmusik und Jazz. Aber das sind nur Schubladen. Ausschlaggebend ist, was sie diesen Schubladen entnehmen und wie sie mit den stilistischen Genres umgehen. Das Publikum, gemischt aus älteren Herrschaften und enthusiastischen Jugendlichen, war so mucksmäuschenstill, dass die leisesten Töne, sonor und profiliert, mühelos die letzten Bankreihen erreichten. Die jungen Männer musizierten „unplugged“, und so erklang jeder Ton in einer klaren Frische, die sofort verzauberte.
Jakob Kastner, Benno Panhans und Raphael Bauer fassen ihre Musik sehr musikantisch auf, sie sind aber weit mehr als nur schlichte Musikanten. Sie reflektieren, was sie spielen und legen jeden Ton auf die Goldwaage, ohne dass ihr Tun an Spontaneität verliert. Sie sind sozusagen dem Geist der Musik auf der Spur, behutsam, liebevoll, präzise.
Von Johann Sebastian Bach war das von 34u arrangierte „Jesu meine Freude“ zu hören. Da stockte einem der Atem und man dachte unwillkürlich, diese Version müsste den alten Bach entzücken! Zwei Eigenkompositionen steuerte Jakob Kastner bei, nämlich das extra für dieses Konzert geschriebene „Novalisa“: Da werden feine Harmonien abgeschmeckt, „grelle Effekte“ bleiben außen vor, ein reifes und attraktives Opus. Es scheint nicht immer leicht zu sein, einen Titel für ein neues Stück zu finden – doch der Komponist erinnerte sich an ein Getränk aus Urlaubszeiten, und so hieß seine nächste Kreation „Gineta“. Eine wohlschmeckende (musikalisches) Erfrischung.
Natürlich kann 34u auch Kräfte entfesseln und fetzig loslegen; das artet jedoch nie zum Tumult aus, immer bleibt das Klangbild leuchtend und durchsichtig. Eine optische Lust, wenn der Gitarrist mit seinem Kollegen quasi um die Wette spielt und ihn überraschend mit einem Fortissimo-Akkord antreibt.
Astor Piazzolla, der berühmte Tango-Magier, durfte nicht fehlen, der einen fahlen „Winter“ evozierte, den Benno Panhans mit konzentriertester Energie auflud. Bei einem Jazz-Standard hatte jeder der drei Musiker sein Solo. Doch gerade auch im virtuosen Zusammenspiel konnten sich die Instrumentalisten profilieren: Die Ziehharmonika setzte mitunter perkussive Akzente oder spann ihren feinen Klangfaden geschmeidig über dem Glitzern der Gitarre. Bei Rodrigos Melodie aus dem Gitarrenkonzert konnte Benno Panhans durch poetischen Feinschliff brillieren. Raphael Bauer wirkte souverän und „cool“, auch wenn seine Finger auf dem großen Kontrabass nur so herumwirbelten.
Der Konzertsaal tobte, als wär‘s ein Pop-Konzert. Da waren natürlich Zugaben fällig. Leise Töne, aber donnernder Applaus – ein Gesamtkunstwerk.