Rosenheim – Schwarzer Anzug und kernige Bassbaritonstimme waren die Markenzeichen von Johnny Cash, dessen Einfluss auf die Musikszene immer noch nachwirkt. Mit den rückwärtsgewandten „Rednecks“ hatte Cash nichts am Hut, er übte Gesellschaftskritik und setzte sich in den USA beispielsweise für die Rechte der indianischen Urbevölkerung ein. Er schaute über den Tellerrand der Countrymusik hinaus, stand mit Ray Charles, Neil Young und Stevie Wonder auf der Bühne.
Jetzt kehrte er in der Cover-Version von Sänger Robert Tyson mit den „Cashbags“ alias „Tennessee Three“ zurück auf die Bühne des Kultur- und Kongress-Zentrums. Valeska Kunath sorgte für zusätzliche stimmliche und optische Glanzlichter, sie übernahm die Rolle von June Carter.
Im typischen Look und Sound stimmten zunächst Tyson und sein Musikertrio das Publikum ein, die „Ghostriders in the Sky“ hatten gleich zu Beginn hohen Wiedererkennungswert und wärmten das Publikum im kühlen Kuko auf. „Don’t take your guns to town“, ein Song aus dem Jahr 1958, lässt sich auch heute noch als ein Appell gegen Waffengewalt und National Rifle Association in den USA verstehen. Dann der Auftritt von „Valeska-June“ Carter im langen roten Kleid zum Song „Jackson“: Die aus Coburg stammende Vokalistin, die auch als „Miss Lesly“ mit einer Rockabilly-Band unterwegs ist, hatte sofort die Fans auf ihrer Seite. Mit viel guter Bühnenlaune und gekonntem Stimmeinsatz mit Timbre und dem „gewissen Etwas“ brachte sie als Vokalistin eine feine Note in das Männergeschehen. „It ain´t me babe“ war eine weitere bekannte Hymne, Johnny Cash hatte das Lied von Bob Dylan gecovert.
Der Auftritt der Band barg einige gute Ideen, so schalteten sich die Mitmusiker immer wieder mit A-cappella-Gesang ein, Tyson zeigte seine stimmlichen Qualitäten in einem Liebeslied – Johnny Cash und June Carter hatten ja nach einiger Zeit gemeinsamer Auftritte auch geheiratet. Klar, dass der überzeugend dargebotene „Ring of Fire“ kommen musste und noch vor der Pause das Publikum mitriss. Die „Cashbags“ hatten auch einige Gesangsauftritte mit „Klassikern“ wie „On the road again“ von Willie Nelson oder den etwas brav geratenen „Blue Suede Shoes“.
Tyson war auch stark in den Details, klemmte beispielsweise einen Schein unter seine Gitarrensaiten für den berühmten „Boomchickaboom“-Sound. „I walk the line“, Cashs bekanntestes Stück, war einer von mehreren Höhepunkten, ebenso wie Arlo Guthries „City of New Orleans“. Valeska Kunath verzauberte in einem Country-Solo mit wunderbarer Intonation und begleitete sich mit der „Autoharp“, ließ den Hit „Islands in the Stream“ folgen.
Nach lang anhaltendem Applaus der Fans kehrte Tyson-Cash solo für mehrere ernste, tiefgründige Zugabensongs zurück auf die Bühne und erntete für seine beeindruckende Johnny Cash-Verkörperung verdienten Zusatzapplaus.