Prien – Mit dem vielsagenden Titel „Fortune smiles“ hatte der Pianist, Komponist und Klavierpädagoge Wolfgang Brandner sein Konzert in der evangelischen Christuskirche betitelt. Und Fortuna lächelte tatsächlich, denn der gebürtige Baden-Württemberger und jetzt in Rimsting lebende Pianist verzauberte seine Zuhörer mit „Happy Tunes.“
Angesichts der Situation in der Welt brauche es einen Gegenpol, sagte Brandner in seinem Willkommensgruß. Das Konzert erfüllte diese Ansage: Brandners virtuoses Spiel, seine stupende Technik und seine Programmauswahl verströmten pures Glück. Eines seiner musikalischen Vorbilder ist Keith Jarrett, der mit dem legendären Klavier-Solo-Köln-Konzert von 1975 Maßstäbe setzte. Ihm setzte Brandner ein Denkmal mit einer großartig improvisierten Version von „Fortune smiles“. Vom „Backwater Blues“ hin zum einst von Frank Sinatra gesungenen „‚I’ll remember April“ (großartig, wie Brandner hier die Frühlingsstimmung andeutete), von der Ba-Rock-Suite, ein Medley aus den Bachschen Goldberg-Variationen, und einer Sarabande von Georg Friedrich Händel, hin zur Romantik mit „Toujours“ von Gabriel Fauré, von Cool-Jazz-Standards wie „Stella by starlight“ (Miles Davies) oder „Footprints“ (Wayne Shorter) hin zu leichter Muse mit dem „My favourite things“ aus dem Musical „The sound of music“: Das Repertoire des Pianisten schien unerschöpflich. Mal samten, mal rockig, mal zartes pp, mal sattes ff. Bei jedem einzelnen Stück setzte er seine eigene Marke, verband technisch-souverän harmonische Tiefe und Improvisationskunst. Beglückend, ihm bei atemberaubenden Läufen zuzusehen und seinen komplexen Akkorden zu lauschen.
Besonders erwähnt werden müssen das Medley aus „Little Wing“ von Jimi Hendrix und „A new Day vesterday“ von Ian Anderson von Jethro Tull und die Flamenco-Suite. Für den Rock-Mix präparierte Brandner sein Klavier:
Ein Papier über den Saiten deutete den Flügelschlag eines Schmetterlings (little wing) an, und das Schlagen der Saiten symbolisierte Trommelschläge. Beim Flamenco vermischte der Pianist seine eigens komponierte Ouvertüre mit Chick Coreas „Sometime ago“ und „Spain.“ Da wähnte man sich in Spanien, nicht in der kühlen Priener Kirche. Und Chick Corea, ein weiteres Vorbild für Brandners Kompositionskunst, ließ grüßen. Dass er zu jedem Werk auch noch ein Stückchen Musikgeschichte vermittelte, passte perfekt zu dem kurzweiligen Abend.
Als Zugabe zauberte Brandner mit „Misty“, einem Jazzstandard von Erroll Garner, noch einmal großartig sanften Jazz. Ein Abend, an dem einem Fortune zulächelte, nicht der Zweitbegriff von fortune (Reichtum, Vermögen) zur Anwendung kam. Obwohl: Vermögend wurde das Publikum schon. Reich beschenkt an „Happy Tunes.“ elk