Neubeuern – Für Puristen, die klassische Kammermusik lieben, war dieses Konzert im Schlosssaal von Neubeuern eine gewisse Herausforderung. Dem Frank-Dupree-Trio mit Frank Dupree (Klavier), Jakob Krupp (Kontrabass) und Obi Jenne (Schlagzeug) gelang es gleichwohl, witzig und unbefangen Elemente von Klassik und Jazz miteinander zu verschmelzen.
Mal energiegeladen,
mal wehmütig
Zu Beginn spielte das Frank-Dupree-Trio drei Präludien von George Gershwin, die Einflüsse von Klassik, Jazz, Blues und lateinamerikanische Rhythmen aufwiesen. Mal rasch und energiegeladen, mal voller Zartheit und Wehmut, dann wieder mit elektrisierender virtuoser Rasanz, zeigten die Stücke Gershwins kompositorischen Ausdrucksreichtum.
Frank Dupree, der die unterschiedlichen Werke unterhaltsam einführte, interpretierte anschließend „Préludes pour Piano“ von Claude Debussy, deren impressionistischer Zauber gefangen nahm. Erregt und nervös voller Glitzer und Arpeggien erklang das funkensprühende „Feux d’artifice“, eine tiefe Ruhe strahlte das Prélude „La Cathédrale engloutie“ aus, in dem das Schwingen der Glocken und der brausende Orgelklang archaische Vorstellungen weckten. Das ursprünglich für Klaviersolo komponierte Prélude in a-Moll von Maurice Ravel spielte das Frank Dupree Trio als Uraufführung angereichert mit vielfältigen jazzigen Improvisationen. Die Zartheit der Komposition schien durch das Schlagwerk aber ein wenig verloren zu gehen.
Im Mittelpunkt des Konzertes standen Stücke des ukrainischen Komponisten Nikolai Kapustin, der Elemente des Jazz in formelle klassische Strukturen brachte. Seine Variations op. 41 prägen vielfältige Jazz-Improvisationen, die die drei Musiker rhythmisch raffiniert zu Gehör brachte. Alle drei Musiker spielten mit spürbarer Freude an den diversen Stilrichtungen von Jazz und Blues bis hin zur Barmusik.
Die pianistischen Herausforderungen in den „Eight Concert Studies“ op. 40, von Bass und Schlagzeug lautmalerisch ergänzt, meisterte Frank Dupree mit Bravour. Faszinierend anzuhören waren schließlich die Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgsky, deren berühmte Themen und Motive gleichsam den Hintergrund bildeten für ein Feuerwerk an jazzigen Improvisationen und fantasievollen Einfällen des Trios. Die magische Kraft der Komposition schienen die drei Musiker, die sich oft freudestrahlend zulächelten, zu musikalischen Höchstleitungen zu inspirieren.
Harte, düstere
Rhythmen
Trommelwirbel, harte, düstere Rhythmen und schleifende Geräusche schufen eindrucksvoll passende Stimmungen zu den einzelnen Bildern. Soloeinlagen von Kontrabass und Schlagwerk mit bizarren Klangeffekten bannten die Hörer, verfremdeten aber allzu sehr das Original.
Nach den zahlreichen Klangbildern erheiterte das Trio das Publikum noch mit artistischen musikalischen Einlagen, darunter einem komödiantischen Trommelsolo von Frank Dupree, dem fetzigen Jazzstandard „Caravan“ von Duke Ellington und mit dem Louis-Armstrong-Ohrwurm „What a wonderful world“.