„Hoch lebe die Braut, der Bräutigam…“

von Redaktion

Aus der Volksmusikpflege Überlieferte Lieder zum Hochzeitsfest in Tradition und Gegenwart

Bruckmühl – Die Bräuche im Leben der Menschen sind einem steten Wandel unterworfen. Das spüren wir immer wieder und immer schneller. Die Veränderung traditioneller Erscheinungen, Werte und Lebensweisen hat es immer gegeben – früher aber viel langsamer als heute. Ein Sturm der medialen Einflussnahmen fegt über das Land und die Menschen, gewerbliche Interessen befeuern kurzfristig wechselnde Modewellen. Und Bräuche ändern sich oder entstehen neu.

Auch die Volkslieder sind einem steten Wandel unterworfen, von Generation zu Generation, wie die Menschen. „De oane is jung und hot ganz vui Schwung, da Oide is weise und freit si ganz leise.“ So hörte ich auf einer Hochzeit den „Prograder“ im Chiemgau singen, als wir um 1980 mit unserer „Inntaler Klarinettenmusi“ oder anderen Besetzungen noch viele Hochzeiten spielten – manche von der Morgensuppn um 8 Uhr bis um halb 12 zum Abschied in der Nacht. Das war anstrengend und man benötigte ein großes Einfühlungsvermögen in die Wünsche der Gäste, ein Wissen um die lokalen Bräuche.

Wastl Fanderl erzählte immer die Geschichte, in welchen Orten zu unterschiedlichen Gelegenheiten die Tränen der Rührung vergossen wurden, vor der Kirche, vor dem Hochzeitszug oder zu anderer Gelegenheit. Das mag vordergründig lustig klingen, hatte aber einen ernsten Hintergrund, der zum Gelingen des Tages beitrug. Fanderl kannte die Bräuche in vielen Orten. Folgendes Gstanzl hatte er sich vom Roider Jackl abgehört: „Aba mei liaba Hochzeita, tua deine Eltern recht ehrn. Toats mitanand recht guat hausn und hob dei Weiberl recht gern!“ Die Änderungen in Bräuchen und regionaler Musik festzustellen, das ist Inhalt und Aufgabe der Feldforschung ganz nahe an den Menschen.

Gerade bei den Hochzeitsbräuchen, bei Lied, Musik und Tanz zum Hochzeitsfest, lassen sich in den letzten Jahrzehnten gewaltige Veränderungen feststellen. Nur mehr wenige Feiern finden in der traditionellen Art und Weise statt, Hochzeitslader haben weniger zu tun, vielfach mutiert die Hochzeit zum Event. „Vivat dem Bräutigam, vivat der Braut ihr Nam! Leben soll dieses Paar recht viele Jahr!“ Dieser überlieferte Spruch aus dem Chiemgau hat auch heute Gültigkeit, teils ist er in ähnlicher Weise in den Liedern zum Hochzeitsfest zu hören. Über Generationen waren die Abläufe von Hochzeitsfesten geregelt – je nach sozialem und wirtschaftlichem Stand der beteiligten Familien – unterschiedlich in Dörfern und Regionen. Morgensuppe, Kirchenzug, Totengedenken, Hochzeitszug, Suppensalzen, Hungertanz … so begann vielerorts eine „grouße Houzat“. Kleine oder „stille“ Hochzeiten wurden bescheidener gefeiert, zumal wenn ein enger Verwandter gestorben war. Immer stand auch der kirchliche Segen im Zentrum: „Wir kommen heut, o Herr, zu dir, und mit zwei Menschen feiern wir. In deinem Hause kehrn wir ein. Lass ihre Liebe wohlgedeihn.“

So könnte es auch heute in der Kirche erklingen, vom Chor oder einer Gesangsgruppe. Eva Bruckner hat in der Reihe „Das geistliche Volkslied das Jahr hindurch“ viele traditionelle Hochzeitslieder und Glückwunschlieder gesammelt und einige für den heutigen Gebrauch hergerichtet. Im ganzen Alpenland, in Bayern und Süddeutschland, bei den Flüchtlingen nach 1945 – überall gab es viele dieser Lieder, die ein wichtiges Ereignis im Leben besangen und Gott um Beistand baten: „Herr, deine Gnad erbitten wir, für deinen Beistand danken wir. So führe uns durch diese Welt, dass unsre Liebe sich erhält.“

Am Dienstag, 3. Februar, um 19 Uhr, berichtet Eva Bruckner in Bruckmühl im Büro vom „Förderverein Volksmusik Oberbayern“ (Pfarrweg 11) über diese Liedersammlung und singt viele davon mit den Teilnehmern. Darunter sind auch einige Gesänge zur silbernen und goldenen Hochzeit und Glückwunschlieder. Eine Anmeldung ist notwendig, unter der Telefonnummer 08062/8078307 oder ernst.schusser@heimatpfleger.oberbayern.

„Jetz sing ma a Liadl aufs neuvermählte Paar. Es soll Euch nur Gutes gschehn, heut und alle Jahr. Gesundheit, Glück auf dera Welt und Fröhlichkeit dazua, an Beutl Geld, und Kinda grad gnua.“ Die Hochzeitsbräuche haben sich geändert. Trotzdem sind bei vielen Hochzeiten diese Lieder willkommen. Es ist ein besonderes Fest – in neuer oder in traditioneller Form. Und das Singen kann immer noch wichtiger Bestand der Feier sein.

Ernst Schusser

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