Rosenheim – Seit 30 Jahren schon touren Kendlingers K&K Philharmoniker – K&K sind die Initialen von Matthias und Larissa Kendlinger – mit Walzern, Märschen und Polkas der Familie Strauß durch Europa. Nun gastierten sie auch im gut gefüllten Kultur- und Kongresszentrum. Die Wiener Johann-Strauß-Konzert-Gala hatte heuer neben einigen bekannten ziemlich viel neue Werke im Gepäck: ein Strauß von weniger bekannten Sträußen.
Anspruchsvoller
Auftakt
So begann es gleich mit der recht anspruchsvollen und blechbläserfestlichen Kaiser-Wilhelm-Polonaise von Johann Strauß (Sohn) in rhythmisch sehr straffem Dirigat von Matthias Georg Kendlinger. Der freute sich in seinen launigen Moderationen hörbar, hier in Bayern tirolerisch reden zu können: Er stammt aus Schwendt im Kaiserwinkl.
Den Benedek-Marsch (benannt nach dem Verlierer der Schlacht von Königgrätz) von Josef Strauß nahm Kendlinger in schnellem Tempo, sodass daraus ein fast tänzelnder Marsch wurde, der Florentiner-Marsch von Julius Fuck wurde zum Geschwindmarsch.
Auch die schnellen Polkas wurden zu rasend schnellen Polkas – aber das vorzügliche Orchester konnte da mühelos mithalten, ja, man hatte das Gefühl, die Musiker hatten ihr Vergnügen an diesen Geschwindigkeiten: In der knalligen Schnellst-Polka „Wer tanzt mit?“ von Eduard Strauß überzeugten die Schlagzeuger mit punktgenau fetzigen Schlägen, die Polka „Vélocipède“ von Josef Strauß hat die Geschwindigkeit schon im Namen, beim „Sperl-Galopp“ von Strauß (Vater) tanzte die junge Schlagzeugerin vergnügt mit und richtig aufgeheizt war das Tempo und ausgelassen die Stimmung in der Polka „Loslassen!“ von Carl Michael Ziehrer – dessen Werke viel öfters in Neujahrskonzerten gespielt werden sollten. Mit zwei Quadrillen, das sind Gruppentänze, demonstrierte Kendlinger, dass Johann Strauß (Sohn) das Musikleben seiner Zeit genau kannte und in seinen Bearbeitungen die Werke anderer Komponisten popularisierte: „Un ballo in maschera“ verarbeitete Melodien aus der gleichnamigen Verdi-Oper und die „Orpheus-Quadrille“ nach der Operette von Jacques Offenbach endete natürlich mit dem teuflisch schnellen Höllen-Can-Can.
Großes Vergnügen hatten Kendlinger und seine Musiker an den lustigen und schönen Stellen: In dem Walzer „Dorfschwalben aus Österreich“ von Josef Strauß jodelten tiefsinnig die Klarinetten und zwitscherten fröhlich die Schwalben, rief der Kuckuck und muhte und röhrte eine Kuh. Ländlich-zaubrisch wurde es mittendrin, als Kendlinger das Tempo etwas herausnahm. Als „verwogen fesch, wienerisch übermütig und künstlerhaft träumerisch“ hatte ein Zeitgenosse diesen naturhaften Walzer charakterisiert. In der Ouvertüre zu „Das Spitzentuch der Königin“ kicherten die Flöten, bis daraus dann sanft die Walzerklänge zu den „Rosen aus dem Süden“ hervorblitzen.
Alle warteten natürlich auf die Auftritte des K&K Balletts (Choreografie: Marianna Stankevych): In dunklen Farben tanzten die Paare zum Dynamiden-Walzer von Josef Strauß und erzählten Geschichten von erotischer Anziehung, im Aquarellen-Walzer (auch vom Strauß-Bruder) hatten die Damen wasserfarbene Kleider an, zur Polka weiß-blau karierte Röcke. Anmutig waren die Tanz-Figuren und perfekt die Kapriolen der Herren.
Bevor es zu den üblichen Neujahrskonzert-Zugaben ging, überraschte Kendlinger das Publikum noch mit der Jockey-Polka von Josef Strauß, in der die Schlagzeuger um die Wette Peitschenknallen produzierten. Zum Donau-Walzer tanzte nochmal das Ballett in festlichem Schwarz-Weiß, bis endlich alle beim unvermeidlichen Radetzky-Marsch mitklatschten: Die Sträuße hatten auch diesmal ihre Wirkung getan, die Zuhörer gingen beschwingt nach Hause.