Söder als König von Grönland

von Redaktion

Stimmungsvoller Kabarettabend mit Michael Altinger im Gymnasium Raubling

Raubling – Proppevoll war die Aula des Inntal-Gymnasiums anlässlich des Kabarettabends mit Michael Altinger und seinem Programm „Die letzte Tasse Testosteron“. Burkhard Schiedermair, Mitglied der erweiterten Schulleitung und Sportlehrer, der sich als solcher schließlich mit Testosteron auskenne und deshalb einen spannenden Abend erwartete, begrüßte die Zuschauer und den Kabarettisten Michael Altinger zusammen mit dem Begleitmusiker Andreas Rother.

Dynastie aus dem
fiktiven Strunzenöd

Wie erhofft entwickelte sich der Abend rasch zu einem ebenso scharfzüngigen wie selbstironischen Ritt durch Politik, Gesellschaft und das eigene schlechte Gewissen. „Hello everybody! It’s beautiful, I am here! I love you guys, I love you guys…“ – heiser ins Publikum geschleudert, mit Cowboyhut und Western-Pose, war sofort klar, dass Altinger keine Gefangenen machen würde.

Als letzter Spross der legendären „Testosterontassendynastie“ aus dem fiktiven Strunzenöd habe er den Auftrag, die letzte Tasse Testosteron zu finden und zu trinken. Es war klar, wer hier aufs Korn genommen werden sollte und von wo aus sich der Bogen spannen würde: von Männlichkeitsbildern über Weltpolitik bis zur sozioökonomischen Schieflage im direkten Umfeld. Gedanklich sprang Altinger mühelos zwischen globalen Machtfragen und den kleinen Dramen des Alltags: „Ich will, dass die Menschen so sind, wie ich sie mir vorstelle. Ich will nicht hören, dass der Putin die Spülmaschine einräumt und auch mal mit dem Hund rausgeht. Ich will noch nicht mal, dass der Putin eine Spülmaschine hat – und wenn, dann eine BÖSE Spülmaschine!“ Auch die Sorge um rostende „Weber“-Grills ebenso wie der Personalmangel – selbst beim Lieblingsitaliener – trieben ihn um.

„Getriggert“ sei Altinger besonders, wenn ihn sein Bühnenpartner „Andi“ Rother deshalb als „alten weißen Mann“ titulierte. Dann fühle er sich plötzlich als der „links-grün-versiffte Best-Ager“, der sogar seiner Frau beim Kochen helfen würde, und unterstrich dieses sofort headbangend rockend mit einem Lied über seine männliche Lebensphilosophie: „Ich kümmer‘ mich um die Getränke.“

Immer wieder griff er augenzwinkernd auf das „mittelalterliche Buch der Strunzenöder“ und seine angeblich berühmten Vorfahren zurück – von Christoph Altinger, dem Seefahrer, über Astronom Galileo Altinger bis zur Heilkundigen Hildegard von Altinger. Ritterliche Tugenden wie „Mitgefühl“ führte er dabei ad absurdum, indem er genüsslich im schlechten Gewissen des Publikums bohrte: von Zahnseide-Nichtbenutzung bis Yoga-Selbstbetrug.

Dass der Punkt, „Man meldet sich am 2. Januar im Fitnessstudio an und erscheint am 3. Januar dort zum letzten Mal“ nicht nur ein männliches Phänomen ist, bestätigte eine Zuhörerin später trocken: „Stimmt – so lief es bei mir dieses Jahr.“ Hier ging es in die Pause. Die Versorgung für diese Veranstaltung übernahm gewohnt professionell der AK Catering. Technik, Ton und Licht lagen souverän in den Händen des AK Technik.

Nach der Pause rückte Altinger den Mut als weitere ritterliche Tugend in den Fokus. Gegen „rechts“ in München zu demonstrieren sei Anstand, in Erfurt hingegen sei es Mut. Und er fragte sich: „Wer wird uns beschützen, wenn alles schlimmer wird?“ Sicher nicht „der Ami“, so Altinger, denn „für 13 Bratwürste würde Markus Söder uns verscherbeln“.

Tasse Testosteron mit
etwas Nachdenklichkeit

Es folgte eine ebenso pointierte wie absurde Parodie eines Dialogs zwischen Donald Trump und Söder: „I make you great again! You give me Bavaria and I make you great. Vielleicht als König von Grönland?“ Gerade noch rechtzeitig vor dem Verfallsdatum trank Altinger schließlich die „letzte Tasse Testosteron“. Über die Wirkung mag man streiten – über den Erfolg des Abends nicht. Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus. Amüsiert, aber auch ein wenig nachdenklich machten sich die Zuschauer auf den Heimweg.

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