Wasserburg – Wenn es bekannte Opernfiguren nach Bayern verschlägt, ist das an sich schon ein Kuriosum. Finden sich dann noch wie im Krippnerhaus in Edling die passenden Melodien dazu ein, entsteht ein köstliches Vergnügen, dessen Unterhaltungswert auch auf einer kleinen Bühne kaum zu überbieten ist.
Zugegeben, die Idee ist nicht ganz neu. Paul Schallweg (1914 bis 1998) war der erste, der in den 1980er-Jahren Opernlibretti in originelle Mundartverse umgedichtet hat. Dr. Hans Küsters und Max Dietrich sind dem Münchner Kulturmäzen Anfang des Jahres 2016 zunächst literarisch gefolgt.
Konkurrenz für
etablierte Reihe
Weil aber nach „Carmen“, „Der Freischütz“ und „Aida“ die Rechte an weiteren Schallweg-Opern verweigert wurden – man wollte keine Konkurrenz zur Veranstaltungsreihe „Opern auf Bayrisch“ – musste ein neuer Titel her.
Mit „Opern amoi anders“ wurden von Max Dietrich und Hans Küsters auch die Texte neu erdacht und mit bayerischem Lokalkolorit rund um den Chiemgau getoppt. 31 Opern wurden so in den letzten zehn Jahren umgedichtet. Entstanden sind vergnügliche Verse, oft spannender wie jeder Krimi. Denn wo es um Liebe, Lust und Leidenschaft geht, da ist das Verbrechen meist nicht weit. Jetzt gab das Autorenduo nach zehn Jahren „Opern amoi anders“ mit dem „Trio Tonale“, Leni Böhm und Brigitte Oberkandler seine Abschiedsvorstellung.
Aus „Aida“ von Giuseppe Verdi wurde der „Der Zickenkrieg vom Nil“. Erzählt wird die Geschichte der äthiopischen Prinzessin Aida und dem ägyptischen Feldherrn Radamès, deren Liebe zwischen ihrer Pflicht gegenüber ihrer Völkern steht. Radamès wiederum wird von Amneris, der Tochter des Pharaos, begehrt. Eifersucht, Verrat und politische Konflikte waren also vorprogrammiert. Am Ende werden Aida und Radamès für ihre Liebe zum Tod verurteilt. Beide sterben, während Amneris verzweifelt um Frieden betet.
Weit weniger dramatisch und mit einem Happy End endete „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber. Jäger Max braucht dringend magische Freikugeln für sein berufliches Fortkommen. Er geht deshalb einem Pakt mit dem Teufel ein. Außerdem verehrt Max Agathe, Tochter von Oberförster Kuno: „Jeder kennt Kuno, den Jägerboss, seit der den Bären Bruno schoss.“
Am Ende aber siegt das Gute über das Dämonische. Max kann sich aus Samiels Klauen befreien. Er erhält Bewährung und Agathe, „welch scharfe Granate“ obendrein als Braut dazu.
„Die Carmen, die war Serviererin, dahoam war sie in Gars am Inn.“ Dorfpolizist Sepp, verknallt sich in die schöne Bedienung und gibt für sie alles auf: die Verlobte, sein Zuhause und den Beamtenstatus.
Er schließt sich mit Carmen dem fahrenden Volk an. Beide ziehen fortan gemeinsam von Volksfest zu Volksfest. Doch Carmen kann nicht treu sein und verliebt sich in einen anderen. So war die Katastrophe quasi nicht mehr aufzuhalten.
Vorgetragen wurden die Geschichten von den Autoren selbst. Leni Böhm und Brigitte Oberkandler sorgten bei den weiblichen Rollen für Schwung. Im famosen Zusammenspiel gelang dem Quartett eine inszenierte Lesung, dramatisch und unterhaltsam zugleich.
Musik vom
„Trio Tonale“
Die passende Musik steuerte das Wasserburger „Trio Tonale“ mit Ernst Hofmann am Piano, Gerlinde Hofmann an der Gitarre und Stefan Schrag am Saxofon dazu bei. Statt effektvoller Monumentalmusik gab es zeitgenössische Arrangements bekannter Opernmelodien, darunter Verdis „Triumphmarsch“, wie er so bestimmt noch nicht gespielt wurde.