Prien – Wenn drei Blasinstrumente und ein Schlagzeug aufeinandertreffen, ergeben sich naheliegenderweise nahezu unendliche klangliche Möglichkeiten. Aber was die Magnus Mehl Tiny Brass Band bei ihrem Auftritt bei Jazz am Roseneck bot, das war mehr als reichhaltig. Das war anrührend, zupackend, flirrend, dicht verwoben und überaus raffiniert. Magnus Mehl (Saxofon), Christian Mehler (Trompete und Flügelhorn), Johannes Bär (Tuba) und Ferenc Mehl (Schlagzeug), allesamt international ausgebildet und auf den Jazzbühnen Europas zu Hause, loteten die musikalischen Optionen ihrer Instrumente im wahrsten Sinne des Wortes voll aus.
Mitwiegen im eleganten Rumba-Rhythmus
Besonders reizvoll war das „Sunny Side Queens.“ Bär brachte hier nicht nur seine Tuba zum Klingen, sondern sang gleichzeitig mit, später ließ Mehler sein Flügelhorn anmutig erschallen und noch später ließ der beinahe heiser klingende Sound des Saxofons im eleganten Rumba-Rhythmus mitwiegen. Wahrlich eine Hommage an New Yorks quirligen und multikulturellen Stadtteil.
Oder wenn Trompete, Tuba und Saxofon zart und brüchig weinen, untermalt von dezent eingesetztem Schlagzeug (Ferenc Mehl), dann versteht man die Bedeutung von „Crocodile Tears“ (Krokodilstränen). Und bei der „Eisprinzessin“ sieht man eine Eisprinzessin Pirouetten drehen und über die Fläche gleiten.
Das waren musikalische Erzählungen, die zwischen Jazz, improvisierter Musik und überraschenden Momenten pendelten und die die Zuhörer mit auf eine fantastische Reise mitnahmen.Vom schon erwähnten New York ging es nach Amsterdam: Bei „The Dutch way to ride a bike“ sah man Radler, die sich mit oder gegen Fußgänger in den engen Gassen behaupten, spontan klanglich untermalt mit einer Glockengirlande aus dem Fundus der Gastgeber. Dann ging es nach Novi Sad. Und genau wie es Magnus Mehl anmoderiert hatte, sah man dank der düsteren, melancholischen Melodien die im Herbst touristenentwöhnte Stadt, meinte, eine Schiffssirene von einem Schiff auf der nahen Donau zu vernehmen, und spürte den Nebel und die Feuchtigkeit.
In gedanklich wärmere Gefilde entführte das „Broken Circle“ mit schmissigen Melodien, die an NewOrleans-Brass-Klänge gemahnten.
Bei „Makabi“ wähnte man sich mit dem Sound der Handtrommel und den sich windenden Melodien im Orient. Selbst einen Ausflug in die Gregorianik mit einfachen und gegenläufigen Melodien und wundervollen Melismen unternahm das Quartett, um später mit „Family Groove“ und „Escape to a better world“ mit lebendigen Harmonien und kraftvollem Tuba-Drum-Groove einzuheizen.
Das Quartett bot Jazz vom Feinsten, alles kreative Eigenkompositionen, bei denen sich vielschichtige Mehrklänge mit leisen Momenten paarten. Blechbläserklang und Soundcollagen trafen da auf kammermusikalische Momente, wuchtige Dichte von Brass Bands aus New Orleans auf verträumte Melancholie. Der ehemalige Stadel, den die Gastgeber Birgit Eßlinger-Hirner und Markus Hirner, zu einem Wohnhaus umgebaut haben und bei ihren Salonkonzerten zur Bühne umfunktionieren, bot für die Tiny Brass Band den perfekten Raum. Man sollte sich schon jetzt den 14. Februar vormerken. Dann spielt im Jazzssalon das Sheen Trio mit Shabnam Parvaresh (Bassklarinette, Klarinette und Flöte), Ula Martyn-Ellis (E-Gitarre) und Philipp Buck (Drums) auf.