Kutterling – In der vergangenen Folge dieser Serie wurden sogenannte Kollektiv- oder Sammelnamen, die auf -ach auslauten, erläutert: Aschach hat von den vielen Eschen seinen Namen, Staudach von der Vielzahl an (Dornen-)Stauden, und so weiter. Abschließend wurde hinsichtlich der heutigen Folge angedeutet, weitere Namen auf -ach auf den Prüfstand der künstlichen Intelligenz (KI) zu stellen; dieses mit dem Ziel, festzustellen, ob die KI den Unterschied zwischen den vier grundverschiedenen Bedeutungen der Nachsilbe -ach kennt: Sammelnamen auf -ach, von Gewässernamen abgeleitete Ortsnamen mit der Ache, einem Wasserlauf, im Namen, solche Namen, die mit der Waldbezeichnung „lohe, lahe, lach“ enden, oder Namen auf -lach, die eine Lache, „a Lack“, bezeichnen. Lassen wir uns überraschen!
Zwischen Rosenheim und Pang liegt Brucklach. Auf die Anfrage „Brucklach: Etymologie (= Namensherkunft) und Erklärung“ gibt die allgemein verfügbare KI – hier am 29. Januar 2026 vollständig zitiert – Folgendes kund: „Der Ortsname Brucklach (oft im Kontext ehemaliger Siedlungen im Raum Donau-Ries/Rain am Lech oder als Gebiet in Rosenheim) leitet sich etymologisch aus dem Mittelhochdeutschen ab und beschreibt geografische Merkmale. (…). Der Name setzt sich aus zwei mittelhochdeutschen (mhd.) Bestandteilen zusammen: Bruck(e): Von mhd. Brucke für ‚Brücke‘,. -lach: von mhd. Lache für ‚Lache, Pfütze, sumpfige Stelle‘.
Es handelt sich um einen typischen Siedlungsnamen, der auf die naturräumliche Lage in einer feuchten, überbrückten Gegend hinweist. Historische Schreibformen: um 1279-1284 Prvcklachen/Prucklachen.“
Bevor wir die „Wissenschaft“ sprechen lassen, ergibt die Anfrage bei „Perplexity Akademisch“ folgendes Bild: Das erste Element „Bruck“ liest diese KI als „Bruch“, althochdeutsch „Bruoh“, mit der Bedeutung „Sumpfland, Moor oder feuchtes Bruchgelände“. Zusammenfassung daher „Sumpfbach“. „Diese Namensetymologie“, so Perplexity, „steht in direktem Einklang mit der Landschaftsgeologie Rosenheims“. Aber: Ist jemals ein „Bruchlach“ belegt worden?
Und jetzt die Wissenschaft: Der Ortsnamenforscher Hans Meixner, der vor 100 Jahren am humanistischen Gymnasium in Rosenheim Geschichte unterrichtete, schreibt in seiner 1920 veröffentlichten Studie „Die Ortsnamen der Gegend um Rosenheim“: „Brucklach – 1612 Holzboden (= Waldboden) gen.(annt) im Pruckla bei Pang. O(berbayerisches Archiv) 5,367. Zu ‚Brücke‘(wohl über die nahe Mangfall)“.
Meixner plädiert also für „Lohe, Lach“, lichter Wald. Allerdings: Alle drei Deutungen sind sinnvoll und halten der Realprobe stand.
Abschließend ein Ortsname, der bisher unerklärbar geblieben ist: Der Weiler Kutterling, der am Hang und am Fuße der Farrenpoint liegt.
Für Meixner ist der erste Bestandteil des 1193 als Chuoter-nell-ing-en überlieferten Ortes „unklar“. Der zweite Teil „nel“ bedeute „Bergkuppe“.
Und die KI? „Nel“ ist am 29. Januar 2026 unbekannt. Vielmehr kommen Deutungen von Kutter als „kutteln“ (= rumpeln, hüpfen), wobei die KI-Gesamtdeutung mit Ort an einem „leicht welligen, unregelmäßig abfallenden oder steigenden Hang“ durchaus passen könnte.
Summa summarum: KI: fleißig! Aber nicht unumstritten! Armin Höfer