Bad Endorf – Was für ein Glück für Liebhaber der Kammermusik! Nachdem die Reihe „Klassik! Bad Aibling“ leider nicht mehr weitergeführt werden konnte, haben Dank der Vermittlung von Kulturreferentin Anke Hellmann und Ludwig Baumann, dem Intendanten des Immling-Festivals, die vier bereits geplanten Konzerte im Kultwerk Bad Endorf einen neuen Aufführungsort erhalten. Den Auftakt machte das renommierte „Sestetto Stradivari“ mit Streichsextetten von Boccherini, Ernst von Dohnányi und Antonin Dvorák.
Sinnlichkeit
und Lebensfreude
An diesem unwirtlichen Winterabend zauberte das „Sestetto Stradivari“ in den neuen, ansprechend gestalteten Saal des Kultwerkes eine südländische Atmosphäre voller Sinnlichkeit und Lebensfreude. Verstärkt wurde diese Stimmung noch durch großformatige Hintergrundbilder, die das sommerlich besonnte Rom mit Petersdom und Engelsburg zeigten.
Boccherinis Streichsextett op. 23 Nr. 6 kennzeichnet neben melodischer Eleganz und tänzerischen Rhythmen ein intimer, oft melancholischer Charakter, der aber auch düstere Dramatik aufweisen kann. Sanft mit geschmeidigen Streicherklängen begann das Andante grazioso, einen überraschend frühen Applaus erhielt das lebhafte Allegro assai. Rasant wirbelte das Finale, in dem der Fluss der Melodie mehrfach kurz innehielt. Das „Sestetto Stradivari“ spielte das Werk mit Sensibilität, Hingabe und großer Akkuratesse. Der warme, fließende Ton des Cellos und die singenden Violinen betörten das Publikum.
Das spätromantische B-Dur Streichsextett von Ernst von Dohnányi demonstrierte einmal mehr die hohe Klangkultur des Ensembles. Ernst und dunkel wirkte das Allegro ma tranquillo, schwelgerisch das folgende Scherzo. Dohnányis Ideenreichtum und sein Sinn für opulente Klangfarben kamen auch im Scherzo Allegro vivace und im träumerischen Adagio quasi Andante zum Ausdruck. Einen marschähnlichen Rhythmus wies das Finale animato auf, das die Musiker mit konzentrierter Leidenschaft, dialogischem Feinsinn und technischer Perfektion interpretierten. Nach der Pause führten die Italiener Dvoraks Streichsextett in A-Dur op. 48 auf. Das Allegro moderato bestach durch melancholische Liedhaftigkeit und fesselnde Farbigkeit. Berührend umschmeichelten in diesem Satz die zarten Achtelfiguren der Violinen Bratschen und Cello. Die feierliche Kadenz bildete zum tänzerischen Charakter einen scharfen Kontrast.
Voller Schwermut mit einem Trauermarsch erklang die Dumka, zu wilder Vitalität steigerte sich der an Mendelssohn erinnernde Furiant, den das „Sestetto Stradivari“ mit funkensprühendem Feuer spielte. Das Finale, ein tänzerischer Variationensatz, begann mit einem trauermarschähnlichen Thema, wandelte sich aber bald in ein ausgelassenes Scherzando und gipfelte in einer energischen Stretta, die das Ensemble mit Temperament zu Gehör brachte.
Nach dem begeisterten Applaus im gut besuchten Saal spielte das „Sestetto Stradivari“ als Zugabe noch den zweiten langsamen Satz aus dem ersten Sextett von Johannes Brahms.