Prien – „Footprints“ (Fußspuren), so lautete der Titel des ersten Konzerts der diesjährigen Konzertsaison von Stauber & Friends in der evangelischen Priener Kirche. Und Fußstapfen hinterließ das Quartett: Nicht nur draußen vor der Kirchentür im rieselnden Schnee. Sondern – viel wichtiger: Die vielfältigen und vielschichtigen Klangfarben und Melodien, die die musikalischen Hochkaräter Saxofonist Till Martin, Matthias Gmelin am Schlagzeug, Henning Sieverts am Bass und Gastgeber Philipp Stauber an der Gitarre sowohl im Zusammenspiel als auch bei ihren Solo-Stellen zauberten, sprachen nachhaltig an. Genau das also, was das diesjährige Programm verheißt: „Body & Soul.“
Ein Beatles-Hit
zum Einstieg
Das „And I love her“ von den Beatles, das Gitarre und Bass als warm-eleganten Willkommensgruß darboten, öffnete die Herzen des zahlreich erschienenen Publikums. Bekannte Jazzstandards wie Duke Ellingtons „Sophisticated Lady“ ließen das Publikum träumen, das elegant-groovige Cole Porters „Love for sale,“ das viel Raum für individuelle Soli einräumte, brachte die Zuhörer zum Mitwippen. In Klängen schwelgen durfte man beim samtenen „All the things you are“, gesungen einst von Ella Fitzgerald.
Besonders berührte das „Ask me now“ von Thelonious Monk: Das schnörkellos klare und coole Solo-Intro von Till Martin geriet wahrlich inniglich. Später, im Zusammenspiel mit seinen Musikerkollegen, verzierte Till Martin die Melodie immer weiter, nicht schneller, sondern stets sachlich, klar, geradlinig. Seine Mitstreiter: genauso cool, genauso entspannt.
Neben den Jazzstandards, denen das Quartett im Zusammenspiel seinen eigenen Stempel aufsetzte, erklangen auch eigene Erzählungen. Eigenkompositionen wie das (Achtung Wortspiel!) „Birds train“ (der Spitzname von Charly Parker war Bird) beziehungsweise Trane (in Anlehnung an John Coltrane). Eine schwungvolle Nummer, die Philipp Stauber da komponiert hatte, rhythmisch herausfordernd und reizvoll.
Ebenso mitreißend war das ebenfalls von Stauber komponierte „Confirmed:“ Eine Anlehnung an den Jazzstandard „Confirmation“ von Charly Parker – oder doch was ganz Eigenes? Der Sound jedenfalls war großartig, der Übergang von Soli zu Tutti-Stellen geriet stets famos.
Auch Till Martin hatte zwei eigene Nummern mitgebracht: „Horizontal motion“ und das bluesige „Yellow and blue.“ „Horizontal motion,“ das umschreibe, wie er einst aus seinem Küchenfenster seiner früheren Wohnung in München im vierten Stock den Blick nach Westen richten konnte, erzählte Till Martin. Und wirklich, bei der leicht melancholischen Nummer sah man die Sonne untergehen und konnte sich im Moment des Nicht-Denken-Müssens, im Genießen, verlieren. Während man sich bei „Yellow and blue“ im Orient wähnte, so stimmig zauberte Schlagzeuger Matthias Gmelin den Background-Part, indem er etwa mit den Händen die Trommeln spielte. Eine gelungene Hommage für Duke Ellington.
„Footprints,“ ein Jazzstandard von Wayne Shorter, war natürlich auch Teil des Programms. Ein großartiges, ein heiteres Stück, bei dem jeder Instrumentalist gefragt war, ein leichtes, ein bewegendes Dahinerzählen, dem man nur allzu gern folgte. Als Zugabe erwies das Quartett der diesjährigen Konzertreihe ihre Referenz: „Body and Soul“, geschrieben 1930 von Johnny Green. Dabei kostete das Quartett noch einmal klangliche Intensität trotz zugleich konsequenter Linienführung aus: eine Nummer zum Wohlfühlen als perfekter Ausklang.
Mit solch musikalischen Freunden umgibt man sich gern. Da wird man des Zuhörens nicht müde. Am Sonntag, 22. Februar, geht es „Funky, Funky“ weiter: Philipp Stauber hat den Schlagzeuger Guido May und den Pianisten, Hammondorganisten und Keyboarder André Schwaiger eingeladen.