27 Bilder erzählen von Mensch und Tier

von Redaktion

Hans Sagmeister stellt in Bad Aibling aus

Bad Aibling – Was man beim Betreten der Galerie im Alten Feuerwehrgerätehaus zu sehen bekommt, stimmt zunächst verwundert. Großformatige Bilder – Öl auf Leinwand – mit Darstellungen von Tier und Mensch in allen erdenklichen Szenen lassen aufmerken. Aber was diese 27 Bilder uns erzählen wollen, dazu bedarf es der Erläuterung. Und die gibt Hans Sagmeister vielfach, zum Teil durch an die Wand geheftete Texte, zum Teil im Gespräch.

Da ist zum Beispiel der große Affe, der sich mit der Kunst beschäftigt. Nachdenklich sitzt er zwei Kunstwerken gegenüber, anscheinend in deren Betrachtung versunken. Es handelt sich um ein Kinderporträt von Picasso und um das Urinal von Marcel Duchamp, das dieser im Jahr 1917 für eine Ausstellung einreichte. Der Affe im Bild hat die Funktion eines Jurors. Da Sagmeister seine Ausstellung mit „Mensch und Tier – Gleichheit im Sein“ betitelt, verleiht er wohl dem Tier dieselbe Kompetenz wie dem Menschen.

Das Bild eines bereits in jungen Jahren zornig blickenden Knaben, der auf Trümmern steht, berührt. Kennt man doch das Lied von Elvis Presley, in dem der Weg des Kindes bereits vorgezeichnet ist. „And his mother cries“ endet der Song. Das bekannte Lied und ebenso das Bild tragen den Titel „In the Ghetto“.

Inspiration durch Musik

„Israelite“, angelehnt an einen Song von Desmond Dekker, erzählt die Geschichte eines armen, von seiner Familie verlassenen Mannes. Seinem Erscheinungsbild nach zu urteilen, lebt er in Jamaica, was hier stellvertretend für alle Länder der Erde steht. In der jamaikanischen Umgangssprache bedeutet „Israelite“ Leiden, Armut, Hunger. Die Krähe an der zerschossenen Autotüre symbolisiert das Elend und den Tod. Und unter dem Titel „Lied des Verfolgten im Turm“ sieht man ein Gitter, an das sich ein Arm klammert. Das Bild vermittelt das genaue Gegenteil des alten Volksliedes „Die Gedanken sind frei“.

Beim Rundgang durch die Ausstellung wird man von Musik begleitet. Mehrere Lieder aus der „Winterreise“ von Franz Schubert, ebenso von Gustav Mahler aus des „Knaben Wunderhorn“, aber auch Pop- und Rocksongs vertiefen die visuellen Eindrücke und untermalen die Stimmung.

Gemalt in fotografisch genauem Stil

Kritisch geht Sagmeister mit der Situation des Menschen in der Welt um. Alle Bilder sind in fotografisch genauem Stil gemalt, aber doch aus freier Hand. Gesammelte Fotografien sind zwar die Ideengeber, aber Gesichter auf Fotos verändert der Maler Sagmeister grundsätzlich. Eine Ausstellung, die nicht nur die visuelle, sondern auch die akustische Wahrnehmung gefangen nimmt.

Zu sehen ist die Ausstellung in der Galerie des Aiblinger Kunstvereins im Alten Feuerwehrgerätehaus bis 22. Februar, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr. Ute Bößwetter

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