Eine heitere Klassik-Kreuzfahrt in der Villa Sawallisch

von Redaktion

Ilona Cudek und ihr Quartett bringen gleich reihenweise „Pop-Stars“ auf die Bühne

Grassau – Die Idee klingt vielversprechend und auch ein wenig nach Fasching: Warum nicht mal in der Villa Sawallisch eine musikalische Kreuzfahrt veranstalten, bei der klassisch geprägte Musiker die berühmtesten Pop-Stars der Welt auftreten lassen, und zwar gleich reihenweise. Erkennbar kostümiert versteht sich, auf der Fantasie-Bühne einer fiktiven MS Grassau, die so manchen Hafen ansteuert, wo es musikalisch etwas zu entdecken gibt.

Die Reise wird veranstaltet von Ilona Cudek und ihrem Quartett, alle vier hochkarätige Musiker, hochschulgebildet, orchestererfahren, preisgekrönt – und alle haben sie eine unbändige Lust, mit der Musik ihren Spaß zu treiben. Musik-Cabaret könnte man sagen, doch das trifft es nur halb bei all der gekonnten Theatralik, den witzigen Dialogen und vor allem beim großen Können der vier Reisenden in Sachen Musik: Ilona Cudek, die virtuose Chefin an der Violine, Friedamaria Wallbrecher als Sängerin mit viel Resonanz und gelegentlich an der Viola, Jost-Heinrich Hecker versteckt im Hintergrund am Violoncello und der jugendliche Simon Csokan am Klavier und mit viel Schmiss auch am Akkordeon, besser gesagt am Schifferklavier.

Mit Schostakowitsch und seinem Walzer Nr. 2 geht es los, und schon nach wenigen Takten – wir sind auf einer Kreuzfahrt – wird die Musik tanzbar. Worauf die Sängerin als Top-Komödiantin die Herren der ersten Reihe ins Visier nimmt. Denen fährt der Schreck in die Glieder, bis sich eine zierliche Lady aus der zweiten Reihe erbarmt und die Damenwahl annimmt. Riesenapplaus für das ungleiche Tanzpaar. Es folgt, Zufall oder nicht, die männermordende Brecht-Ballade von der „Seeräuber-Jenny“ und nostalgisch geht es gleich weiter „In der Bar vom Krokodil“ von den Comedian Harmonists. Wo ist eigentlich Ilona Cudek? Da kommt sie, passend kostümiert im Stil der 1930er-Jahre, mitten durchs Publikum auf die Bühne und beim folgenden Klassiker „Caravan“ von Duke Ellington – der beginnt mit einem herrlich schrägen Durcheinander von Einsätzen – darf jetzt auch mal der Cellist zeigen, was er kann. Mit stoischer Miene im Hintergrund legt er es scheinbar darauf an, übersehen zu werden. Doch der Senior des Quartetts, bekannt für seine ganz eigene Tonsprache, ist immerhin Mitbegründer des legendären „Modern String Quartett“, das in der Villa zuletzt im April 2025 auftrat. Als Arrangeur und Komponist wird er gerne von großen Bühnen engagiert, wobei er an diesem Abend, neben verblüffenden Celloklängen, allen seinen (Kostüm)-Vogel zeigt. Wen zeigt der Abend noch und wer ist zu hören? Wie versprochen die Stars on Stage. Es treten auf in lockerer Folge: Marilyn Monroe, Michael Jackson, auch mal ein namenloser Pirat oder Mozarts Königin der Nacht, unerlässlich Elvis Presley, auch Luciano Pavarotti und zum Schluss, heftig umjubelt, Tina Turner mit „Simply The Best“. Für Ilona Cudek und ihre Star-Doubles – großes Lob der Kostüm- und Maskenbildnerin! – gilt das erst recht, diese Mischung aus musikalischem Können und humorigen Einfällen ist unvergleichlich.

Das zeigte sich spektakulär als Cudek „Die Lerche“ zum Besten gibt, dieses schnelle virtuose Geigenstück von Grigoras Dinicu, rhythmisch begleitet am Klavier von Simon Csokan, der an den Bravourstückchen seiner Chefin einen Riesenspaß hat. Begeisterter Zwischenapplaus rauscht durch den Saal, wie sonst nur beim Jazz üblich, den das Multitalent Simon Csokan ganz nebenbei auch mal durchschimmern ließ. Fazit: ein Abend, der wieder einmal bewiesen hat, dass Musik und Humor ein herzerwärmendes Duo sein können, wenn es die Richtigen auf die Bühne bringen. Klaus Bovers

Artikel 5 von 7