„Musik ist eine Brücke“

von Redaktion

Interview Drei Jahrzehnte Quadro Nuevo – Bassist Didi Lowka über „Weltmusik“

Rosenheim – Einflüsse aus Italien, Balkanländern, Ägypten, Argentinien und vielen weiteren Ländern und Musikrichtungen – die in Rosenheim gegründete Band „Quadro Nuevo“ ist seit inzwischen dreißig Jahren unterwegs. Mehrere tausend Konzerte und viele Alben zeugen von ungeheurer Produktivität und musikalischer Energie. Wir sprachen mit Bassist Didi Lowka, der zusammen mit Saxofonist Mulo Francel von Anfang an dabei ist.

Lieber Didi, Glückwunsch zu 30 Jahren Quadro Nuevo. Vor Kurzem habt Ihr auf Einladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin gespielt. In welchem Rahmen war das und war das auch eine Art Würdigung für Euch ?

Wir spielten auf Schloss Bellevue ein weihnachtliches Konzert im Beisein des Bundespräsidenten für Bürger, die sich um den Staat verdient gemacht hatten. Beim Empfang danach erlebten wir einen sehr herzlichen, musikalisch interessierten, fast kumpelhaften Präsidenten. Sein freundlicher Umgang mit uns hat uns schon sehr geehrt und weil Herr Steinmeier in seiner Studentenzeit selbst Bassist war, hat dann auch noch der eine oder andere Bassistenwitz die Runde gemacht.

Bereits vorher hattet Ihr einen Auftritt in der Deutschen Botschaft in Kairo. Eure Zusammenarbeit mit den ägyptischen Musikern von „Cairo Steps“ ist nur ein Beispiel für internationale Zusammenarbeit, gehört das zu Eurem Verständnis von „Weltmusik“?

Ja! Es gibt eigentlich keinen intensiveren Weg, fremde Musikwelten kennenzulernen, als in ferne Länder zu reisen und mit Musikern von dort zusammenzuspielen und sich auszutauschen. Man versucht, Gemeinsamkeiten zu entdecken, lernt voneinander und versucht miteinander, musikalische Projekte aufzubauen. Mehrmals haben wir in Ägypten mit der Band „Cairo Steps“ Konzertreisen unternommen und herrliche Abende, zum Beispiel in den Opernhäusern von Kairo, Alexandria und Damanhur erlebt. Musik ist eine Brücke zwischen verschiedenen Kulturen.

Kommen wir zu Euren Anfängen: Wie ging die erfolgreiche langjährige Bandkarriere von Quadro Nuevo eigentlich los und wer war alles dabei ?

Gründungsmitglieder sind Mulo Francel am Saxofon, Robert Wolf an der Gitarre, Heinz Ludger Jeromin am Akkordeon und ich am Kontrabass. Wir trafen uns damals, um Filmmusik für eine Produktion des ORF einzuspielen. Der Film wurde nie gesendet, aber wir waren vom ersten Moment an selber begeistert von diesem komplett altmodischen Bandsound mit akustischer Gitarre, Kontrabass, Saxofon und vor allem, dem damals völlig aus der Mode gekommenen Akkordeon. Wir machten sofort ein Konzert im Rosenheimer Jazzclub Le Pirate aus und viele tausend weitere folgten.

Bereits nach wenigen Jahren des Bestehens hat die Band durch den Tod von Robert Wolf einen tragischen Verlust erlitten.

 Robert wurde durch einen dramatischen Verkehrsunfall komplett aus seinem bisherigen Leben geworfen, konnte nicht mehr musizieren und erlag ein paar Jahre später den Folgen seiner Verletzungen. Ein fürchterliches Schicksal. Robert wünschte sich, dass wir weiterspielen. So nahm zwölf Jahre lang Evelyn Huber an der Harfe seinen Platz ein. Heute teilen sich abwechselnd Chris Gall am Piano, Philipp Schiepek und Paulo Morello an der Gitarre und Tim Collins am Vibraphon die Auftritte auf. Das hält unser Quartettspiel frisch und macht unsere Tourneen sehr abwechslungsreich.

 

Das weltweite Unterwegs-Sein mit Auftritten und CD-Aufnahmen ist ein Markenzeichen von Quadro Nuevo: Was waren denn aus Deiner Sicht im Rückblick die bisher prägendsten Reisen und Begegnungen ?

Da gibt es eigentlich kein Land, das wir als langweilig empfunden hätten. China, Ägypten, Indien, Malaysia, Island, Australien, die USA. Alles sehr spannende, imposante, unterschiedliche Kulturen, die alle in unsere Musik eingeflossen sind. Unser letztes Album „Inside the Island“ haben wir auf der griechischen Insel Samos aufgenommen und wir fühlten ganz deutlich, wie das Meer, die Landschaft und die Leute dort „in unsere Musik gekrochen“ sind.

       

Sogar die Corona-Zeit habt Ihr clever genutzt, kannst Du zu diesem speziellen Projekt etwas sagen ?

Damals entstand das Album „Odyssee“. Wir gingen, als das rechtlich möglich war, mit 30 Künstlern auf das über 100 Jahre alte Zweimast-Segelschiff „Florette“ und erforschten bei einer Fahrt um die Liparischen Inseln alle Helden der klassischen antiken Sagenwelt. Wir stellten sie in Bild und Film lebendig nach und erfanden eine passende Musik dazu.

Wir bestiegen Vulkane, passierten schadlos die Sirenen, trafen Zyklopen, Poseidon und Hephaistos und sogar Homer las uns auf altgriechisch seine Geschichten vor. Alles dokumentiert in einem Fotoband, einem Film und dem Album „Odyssee“. Das hat uns damals mental gerettet!

Wie habt Ihr Euch letztlich musikalisch in drei Jahrzehnten weiterentwickelt?

Wir hoffen natürlich, dass jeder von uns an seinem Instrument im Lauf der Jahre souveräner, geschickter oder schlicht besser geworden ist. Wir üben alle nach wie vor viel und stellen uns täglich der Meisterschaft des Instrumentenspiels. Die wichtigste Entwicklung im Ensemble ist aber wohl, dass alles viel freier und offener geworden ist. Früher haben wir immer in der gleichen Besetzung relativ feste Programme gespielt.

Jetzt tauschen wir beständig unseren vierten Mann. Der bringt dann seine eigenen Musikstücke, seine Spielphilosophien und seinen Geschmack ein und so haben sich recht unterschiedliche Abende entwickelt.

Philipp Schiepek, übrigens jüngster Gitarren-Hochschulprofessor Deutschlands, bringt seine feine, dezente Gitarrenarbeit ein, und alle versuchen, ebenso fein zu sein. Tim Collins wechselt gerne von seinem ungemein swingenden Vibraphon auch mal zum Schlagzeug und bringt damit die ganze Band ins Schwingen. Chris Gall wiederum taucht mit seinen modernen Improvisationen alles in ein ganz anderes musikalisches Licht. Wir sind offener geworden und vielleicht auch vielseitiger als früher.

 

Dieses enorme Programm setzt ja eine gewisse Grundkondition voraus – macht Ihr viel Sport oder hält die Musik so fit ?

Die Musik hält uns wirklich fit, jeder Konzertabend fordert Körper und Geist. Was jedoch wirklich anstrengend sein kann, sind die vielen Stunden in unserem Bandbus auf unseren langen Tourneen. Da hilft dann als Ausgleich wirklich nur Sport und Bewegung und das machen wir auch. Laufen, Bergsteigen, Radfahren, Skitouren gehen, Akkordeonspieler Andreas Hinterseher fliegt regelmäßig mit seinem Paraglider durch die Luft. Seit Neuestem ist er auch wieder in seiner Heimat für die Bergwacht im Einsatz.

Was sind Eure nächsten Vorhaben?

Wir arbeiten gerade an einem Vinylalbum mit der „Marion & Sobo Band“. Marion ist eine außergewöhnlich talentierte junge französische Sängerin, die uns mit ihren Improvisationen und Scateinlagen in Entzücken versetzt. Es wird ein neues Album mit den ägyptischen „Cairo Steps“ geben, ein Gesangsplattenprojekt mit vielen verschiedenen Sängerinnen, wir spielen einige Konzerte mit diversen Orchestern und und und. Die nächsten Reisen gehen nach China, Hongkong und zum ersten Mal für uns nach Japan. Es wird nicht langweilig!

andreas friedrich

Artikel 4 von 6