„Leute aus der Alltagsschleife holen“

von Redaktion

Interview Schreinermeister und Kabarettist Stefan Kröll über sein Soloprogramm „schee wuid“

Rosenheim – Seit über einem Jahr füllt Stefan Kröll mit seinem siebten Soloprogramm „schee wuid“ Stadthallen und Festzelte in ganz Deutschland. Mit seinem feinen, hintersinnigen Humor, skurrilen Verknüpfungen von Lebensläufen, Geschichten und Geschichte begeistert der gelernte Schreiner seit 2008 sein Publikum als Kabarettist und Liedermacher. Geerdet, bodenständig, natur- und heimatverbunden bringt Kröll in bestem Bayerisch seine Sicht auf die gar nicht so schlechte Welt auf die Bühne. „Schee wuid“, ist das Leben halt – vielfältig, schräg und lebenswert. Was steckt hinter Krölls Kabarettprogrammen, seinen Ideen, seinem Optimismus? Fragen, die der gebürtige Feldkirchner bereitwillig beantwortet.

Wie wird aus einem Schreinermeister ein Kabarettist? Grundsätzlich führt der Weg von einer Schreinerwerkstatt nicht immer direkt auf die Bühne. Allerdings sind viele Schreiner sehr emotional mit ihrem Beruf verbunden und das ist schon mal eine gute Voraussetzung. Bei mir war es vor allem meine Leidenschaft, den Leuten kuriose Geschichten zu erzählen.

Seit Ihrem ersten abendfüllenden Kabarett „Herzblut Schreiner“ haben Sie sieben Soloprogramme kreiert. Woher kommen die Ideen?

Eine Quelle ist sicher mein Beruf als Schreiner. Ich arbeite die Hälfte meiner Zeit noch immer in meinem „ersten“ Beruf und habe dadurch sehr viele zusätzliche Bilder, Begegnungen und schräge Erlebnisse. Wir haben oft mit Leuten zu tun, die kann ich nicht mal erfinden, die sind allerfeinste Satire!

„Schee wuid“ waren auch schon „Goldrausch 2.0“ oder „Aufbruch“. Was ist das Besondere an dem aktuellen Stück?

Mit dem Stück versuche ich, die Leute für zwei Stunden ganz aktiv aus der „Alltagsschleife“ rauszuholen und Dinge darzustellen, die auf den ersten Blick witzig, schräg und kurios sind, jedoch alle einen positiven Kern haben. Damit kann ich die Leute unterhalten und motivieren zugleich. Das „schee“ im Titel steht für die Idee, die „Schönen Dinge“ um uns herum noch mehr wahrzunehmen. Wenn die Gäste am Schluss viel gelacht und gleichzeitig etwas „mitgenommen“ haben, habe ich alles erreicht.

Gibt es Reaktionen aus dem Publikum oder Backstage, die Sie nie vergessen werden?

Ich habe für ein gemeinsames Bühnenstück mit Musikern einen ukrainischen Song ausgesucht. Wusste allerdings nicht, dass dieses Lied eines der bekanntesten Volkslieder in der Ukraine ist. Nach der Vorstellung kam eine junge, ukrainische Frau zu mir und hat sich unter Tränen für dieses Lied bedankt. Sie war von ihren Emotionen richtig überwältigt. Die Frau hat einen Kurz-Clip unserer Aufführung an ihre Eltern im Kriegsgebiet geschickt.

Was wünschen Sie sich von den Zuschauern?

Dass sie wieder den Mut haben, Konzerte und Vorstellungen zu besuchen, die etwas außerhalb des „Mainstream“ liegen und oft mit sehr positiven Erlebnissen verbunden sind.

Was können Sie gar nicht leiden?

Leute, die sich stets für die „Bestbesetzung“ halten und das auch zeigen.

Steht das Programm fest, das Sie auf die Bühne bringen, oder fügen Sie spontan tagesaktuelle Ereignisse ein?

Es kommt schon mal vor, dass ich vereinzelt aktuelle Themen mit ins Programm nehme. Grundsätzlich bleibe ich aber sehr „nah am Text.“ Je mehr Spontanes ich einbaue, desto eher übersehe ich feste Textstellen und das ärgert mich meistens.

Wie schaffen Sie es, Optimist zu bleiben?

Wir haben die Wahl, entscheide ich mich für ein Leben, das sich in erster Linie um Schwierigkeiten und Probleme dreht und am Schluss dann irgendwie „in Ordnung“ war. Oder für ein Leben mit höherer Qualität und einem „tieferen Sinn“. Für mehr Lebensfreude und der Suche nach den lebendigen Dingen dieser Welt.

Arbeiten Sie schon an einem neuen Projekt?

Ja, tatsächlich. Ab April bin ich mit der großartigen „Kapelle So&So“ in einem gemeinsamen Stück „Helden und Legenden“ auf der Bühne. Wir führen in die Welt der Wilderer und Räuber, der Volkshelden und Schlawiner. Vom Räuber Kneißl bis zum Jennerwein. Mein Text wird von der „Kapelle So&So“ musikalisch sehr emotional und innovativ umgesetzt. Es wird eine spannende Mischung aus Humor, Schaudern, Klangerlebnis und Gänsehaut!

Claudia Sieberath

Auftritt in Rosenheim

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