Rosenheim – Epik, Pathos und große Gefühle: Die Konzertreihe „The Music of Hans Zimmer and Others“ gastierte im Kultur- und Kongresszentrum. Auf dem Programm standen Filmmusik-Klassiker aus Hollywood-Blockbustern wie „Gladiator“, „Fluch der Karibik“, „Inception“, „Interstellar“, „Der König der Löwen“ oder „Dune“ – Werke, die eigentlich nach klanglicher Wucht und orchestraler Breite verlangen. Genau darin lag jedoch auch die größte Herausforderung des Abends.
Moderator sprach
nur Englisch
Charmant und souverän führte Dominic Scott Kay durch den Abend. Der frühere Kinderschauspieler, der einst an der Seite von Tom Cruise und Orlando Bloom vor der Kamera stand, übernahm die Rolle des Moderators – mit persönlichem Ton, kleinen Anekdoten und sichtbarer Freude an der Musik. Für einen Teil des Publikums dürfte allerdings problematisch gewesen sein, dass der Amerikaner die Moderation ausschließlich auf Englisch hielt. Ein Hinweis im Programmheft wäre hier wünschenswert gewesen.
Musikalisch trumpfte das Konzert mit einer abwechslungsreichen Auswahl aus Hans Zimmers Klangkosmos auf. Das Orchester, mit rund 25 Musikern vergleichsweise sehr klein besetzt, zeigte dabei Einsatz und Spielfreude. Doch so solide die Leistung im Rahmen der Möglichkeiten auch war: Nicht allen Stücken konnte diese Formation gerecht werden. Gerade bei dynamisch anspruchsvollen Passagen fehlte es an Tiefe und Druck, einige Arrangements wirkten musikalisch auch nicht überzeugend ausgearbeitet und stellenweise machte zudem die Tontechnik Probleme – Übersteuerungen und eine unausgewogene Balance trübten den Gesamteindruck. Die Darbietung blieb dadurch mitunter hinter ihrem eigenen Anspruch zurück.
Umso mehr rückten die Leistungen der Solisten in den Fokus. Allen voran Sopranistin Nadiya Oleksandrivna Selezneva konnte mit ihrer stimmlichen Bandbreite voll überzeugen.
Mühelos wechselte sie zwischen Genres und Stimmungen: In orientalisch angehauchten Gesängen brillierte sie in der archaischen Klangwelt von „Dune“, während sie mit sanfteren Tönen und zartem Vibrato für echte Gänsehautmomente sorgte. Die Strahlkraft ihrer Stimme konnte sie besonders beim ergreifenden „Now we are free“ aus dem Soundtreck zu „Gladiator“ unter Beweis stellen. Selten wurde an diesem Abend so deutlich, welches emotionale Potenzial in dieser Musik steckt.
Ergänzt wurde das Ensemble durch die warme Stimme von Tiffany Gordon sowie die kraftvolle männliche Soulstimme von Hlumile Siyoni, die beide mit ihrer Performance im „König de Löwen“ überzeugten und das Programm klanglich abrundeten.
Weniger gelungen erwies sich hingegen der visuelle Teil des Abends. Die auf der Leinwand gezeigten Filmausschnitte wirkten technisch schwach umgesetzt, teils unscharf und unglücklich geschnitten. Statt den Eindruck der Musik zu vertiefen, lenkten sie eher von dem Geschehen auf der Bühne ab. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen – die Musik hätte für sich sprechen sollen. So blieb das gebotene Konzerterlebnis am Ende ein Abend mit Licht- und Schattenmomenten: Starke solistische Leistungen, ein sympathischer Moderator und ein ansprechendes Programm trafen auf strukturelle Grenzen der Besetzung und technische Schwächen. Große Filmmusik braucht Raum, Klangfülle und Präzision – Qualitäten, die an diesem Abend nur punktuell erreicht wurden. Wer sich darauf einließ, konnte dennoch schöne und ergreifende musikalische Momente erleben. Ein wirklich filmreifes Konzerterlebnis aber blieb aus. Ilaria Heindrich