Chris Gall im Librano in Bad Aibling

von Redaktion

Zwei ausverkaufte Konzerte versetzen das Publikum in Staunen

Bad Aibling – Bei zwei ausverkauften Konzerten in der Aiblinger Buchhandlung Librano, sozusagen in Chris Galls Wohnzimmer, stellte der Jazzpianist sein aktuelles Album „Impressionists Improvised“ vor und in der Anmoderation für Debussys Prélude mit dem Thema „Klänge und Düfte, die sich in der Abendluft drehen“ verwies er darauf, dass nur die ersten vier Takte in der Originalnotierung gespielt werden. Was dann bei diesem Höhepunkt im ersten Teil geschah, versetzte das Publikum in atemloses Staunen: Chris Gall entwickelte aus dem einfach strukturierten Thema ein Feuerwerk an harmonischen, teils jazzigen Akkorden, perlenden Läufen, die im Off-Beat die Melodie brachen und in der Dynamik bei seiner freien Improvisation schließlich in einer minimalistischen Sequenz zu seiner Eigenkomposition „Yorke’s Guitar“ führte. Zuhörern, denen dieses Stück schon von Konzerten mit Quadro Nuevo oder im Duett mit Mulo Francel geläufig war, erkannten am Ende der Improvisation und in der Modulation der Harmonien in der Überleitung bereits die Anspielung auf sein Thema. Wenn dann am Schluss von Yorke’s Guitar, dieser Hommage an den Radiohead-Sänger, die linke Hand im Pianissimo ganz einfache Akkorde greift und mit der rechten Hand ein einzelner Ton angeschlagen wird, glaubte man trotzdem, die ganze Melodie zu hören: Ein magischer Moment, der vom Publikum auch so wahrgenommen wurde und begeisterten Applaus initiierte.

Im zweiten Teil spannte Chris Gall einen musikalischen Bogen von den fast 150 Jahre alten Kompositionen der Impressionisten Satie, Debussy und Ravel, indem er die oft auch für Filmmusik verwendeten Melodien in seiner Bearbeitung als Bausteine zu seinen eigenen musikalischen Formen mit jazzigen Elementen anreicherte oder, wie bei der „Pavane“ von Ravel, diese mit moderner Popmusik, dem Song „And I Love Her“ von den Beatles verknüpfte. In der Zugabe „Impressionist No. 1“, einer leisen Eigenkomposition, technisch brillant vorgetragen und mit langem Applaus bedacht, bewies Chris Gall einmal mehr, wie stark ihn sein Zusatzstudium „Filmmusik“ und die Zusammenarbeit mit Johannes Honsell für den Checker-Tobi-Film gerade für dieses Album auf ein höheres musikalisches Niveau gebracht hat. Arnulf Lüers

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