Sonnige Souveränität

von Redaktion

Aaron Voderholzer beim Kolbermoorer Orgelmittwoch

Kolbermoor – Beim 130. Kolbermoorer Orgelmittwoch in der Pfarrkirche Wiederkunft Christi saß zum wiederholten Male Aaron Voderholzer aus Prien am Orgeltisch – obwohl er am nächsten Tag seine Masterprüfung in Orgel spielen musste. Prüfungsangst muss er keine haben, wenn er so spielt wie an diesem Abend. Sein klug aufgebautes Programm brachte französische und deutsche, barocke und romantische Orgelmusik.

Den französischen Organisten Nicolas de Grigny (1672 bis 1703) bewunderte Bach so, dass er dessen gesamtes „Premier livre d’orgue“ abschrieb. In großer Ruhe und damit mit viel Platz für die vielen Verzierungen spielte Voderholzer das „Récit de tierce en taille“, wobei er die sich schier unendlich ausbreitende und fortschreitende Melodie sorgfältig von der Begleitstimme unterschied. Bach selber kam dann – nach einem unentwegt klingelnden Handy – mit der C-Dur-Triosonate BWV 520 zu Wort: Das Allegro tanzte beschwingt, sogar das Pedal des Organisten schien mitzutanzen, auch im chromatischen Fortschritt. Das dreistimmige Largo sang ausdrucksstark ausphrasiert in hellster Klarheit unter Vo- derholzers Hand, die, wenn sie spielfrei war, die Phrasen in der Luft mitformte. Das glitzernd registrierte Allegro sprang heiter hin und her, alles war von Aaron Voderholzer mit einer geradezu sonnigen Souveränität gespielt. Mit vielfältigem Einsatz des Schwellers ließ er die B-Dur-Melodia op. 120/4 von Max Reger durch die Harmonienlandschaft schweifen, auch hier steigt das Pedal chromatisch empor: hochromantisch, aber sehr transparent dargeboten. Als rauschender Rausschmeißer diente schließlich das farbenfrohe Finale der Symphonie I von Louis Vierne, von Voderholzer freudig und mühelos virtuos gespielt. Für den sofort aufbrandenden Beifall bedankte er sich mit dem „Einzug der Königin von Saba“ von Georg Friedrich Händel. Seine Orgelprüfer am nächsten Tag dürften keine Probleme mit der Notenfindung gehabt haben.

Rainer W. Janka

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