Seeon-Seebruck – 16 Jahre war Bertram Engel, als er Udo Lindenberg zum ersten Mal im Proberaum des Panikorchesters begegnete. Heute, 50 Jahre später, denkt man, Udo steht selbst auf der Bühne, als Bertram Engel mit der Stimme von Udo Lindenberg fragt: „Haste mal Bock zu spielen?“ und „Wenn sich Backi mal’n Bein bricht, ruf ich an … ich ruf an, ne.“
Im Laufe des Abends, erfuhr das Publikum nicht nur viel über Bertram Engel und sein Leben als Schlagzeuger von Udo Lindenberg und Peter Maffay, sondern begab sich zugleich auf eine Reise durch fünf Jahrzehnte deutscher Musikgeschichte.
Kurzweilig und humorvoll erzählte Engel von seinen musikalischen Anfängen: vom Klavierunterricht mit sieben Jahren bei seiner Lehrerin Trude Sturm, Fingerübungen und dem Lehrbuch Hanon. An der Musikhochschule Münster studierte er schließlich Schlagzeug – nicht zuletzt deshalb, weil sich dort nur zwei Bewerber einfanden, während es beim Klavier rund 150 waren.
Mit den bekannten Textzeilen „It’s a little bit funny“ aus dem Lied „Your Song“ von Elton John zeigte Engel eindrucksvoll sein Können am Flügel und als Sänger und untermalte damit, wie Elton John sein Leben damals veränderte. Natürlich durften auch die Geschichten aus seiner Zeit mit Udo Lindenberg nicht fehlen. 1976 ging Engel erstmals mit dem Panikorchester auf Tour – nicht ohne dass seine Mutter die Bandmitglieder zuvor eindringlich bat, ihren Sohn vom Alkohol fernzuhalten.
Ein weiterer zentraler Abschnitt des Abends war Peter Maffay gewidmet. Anhand eines Fotos von Dieter Thomas Heck berichtete Engel, wie peinlich es den Rockern des Panikorchesters war, die zu dritt auch in der Band von Peter Maffay spielten, bei der Hitparade im deutschen Fernsehen aufzutreten. Noch schlimmer kam es, als sie mit Peter Maffay als Vorgruppe von den Rolling Stones auftraten und nachdem der Bandleader darauf bestand „Über sieben Brücken musst Du gehen“ zu spielen, immer mit Eiern und Tomaten beworfen wurden. Weitere Anekdoten führten das Publikum bis ans andere Ende der Welt: etwa zu einem Videodreh in der „dritten Bucht“ in Western Australia, die nach stundenlanger Anreise in glühender Hitze erreicht wurde – nur um festzustellen, dass die Instrumente fehlten. Auch der Titel seines Buches „Mit alten Männern spiel‘ ich nicht“ kam zur Sprache. Peter Maffay, der auch das Vorwort verfasste, war daran nicht ganz unbeteiligt: Nach einer zähen zweistündigen Probe platzte Engel der Kragen, als er wutentbrannt feststellte, sie seien „alle alte, lahme Männer“. Zum Abschluss der Veranstaltung fasste Bertram Engel die Quintessenz des Abends zusammen – für sich selbst ebenso wie für sein begeistertes Publikum: die Freude und den Spaß am Leben bewusst zu schätzen, nach schwierigen Momenten wieder aufzustehen, weiterzumachen und stets 100 Prozent zu geben. Ein Bild, das Musik, Aufführung, Musikinstrument, Person enthält.