Ein Musiker, der in keine Schublade passt

von Redaktion

Wechselbad der Gefühle – Entertainer Keller Steff gibt Konzert in Auers Livebühne Neubeuern

Neubeuern – Keller Steff, der Entertainer, der einen ganzen Schubladenschrank füllen kann, war zu Gast in der ausverkauften Auers Livebühne und es war ein Fest.

Es ist nicht Pop, es ist kein Rock’n’Roll, Jazz und Chanson ist es auch nicht, und Liedermacher trifft es nur ein wenig, aber auch nicht vollständig. Poet, Chaot, Punk, Barde, Dichter, Denker? Kultur ist es allemal, wie das begeisterte Publikum am Ende eindrucksvoll erfahren durfte. Doch der Reihe nach. Steff spielt sich rhythmisch locker warm, stimmt „sei Gitarr´, die im Auto war über Nacht“ und holt „die lieben Gäste“ erst einmal ab, indem er in lockerem Ton drauflos plaudert, bevor er den ersten Song mit gutem Versatz losdonnert und das Tempo vorgibt. Der Test gilt dem Publikum, ob sie das Programm auch vertragen und sogleich mitdonnern dürfen: „jatz is a do“ enthält autobiografische Spuren, so wie all die wunderbaren Songs aus seiner Feder. Die darauffolgende Story aus Landshut bringt den Saal ebenso zum Lachen wie der darauffolgende „Baggerfahrer“ für klatschende Hände sorgt, der seine Anleihen im „Bulldogfahrer“ nimmt. „So viel künstlerische Freiheit muss sei“ verrät der Steff. Die 200 begeisterten Gäste im Auer werden Zeuge einer erotischen Abhandlung, auf die eine wesentlich sanftere „Romantikphase“ folgt. Die Hymne „Marionette“ offenbart einen besinnlichen, weichen Keller Steff. Der Saal wird still und andächtig und ist spürbar ergriffen. Dazu passend folgen die „Kurvn“ im Leben, bevor Steff wieder seinen unbändigen Schalk rausholt und über den Wolf schwadroniert, den er sich beim Radeln geholt hat. Schenkelklopfer satt in Neubeuern.

Die 26er Tour „des schau ma uns o“ folgt keinem starren Programm, vielmehr scheint es, dass der Steff ad hoc der Stimmung folgt und manchmal meint man, die präsentierte Geschichte entspringt just dem Moment. Natürlich darf auch das berühmte „bist narrisch“ nicht fehlen, in der sich Keller Steff in schöner Regelmäßigkeit die Haare rauft. Minuten später „spuckt“ sein wildes Haupthaar unvermittelt sein Gitarrenplättchen aus und Steff sagt nur „des is aber net des von heit“ …

Das zweite Set ist eine ebenso bunte Mischung aus treibenden Beats und sanfter Melancholie. Der „Bulldogfahrer“ wird geschmettert, das „Kaibi ziagn“ gefeiert und der „Pillermann“– Deal wird einstudiert. Erst als Steff von sich erzählt, wird es wieder still. „Ihr Bub ist ein Sonderling“ sagte damals der Lehrer zur Mama und Mama meinte „das ist toll“. Und so blieb der Bub ein Sonderling und wurde schließlich ein Musiker, „der in keine Schublade passt“, so das Urteil der Presse. Der dazu passende „Bunte Hund“ ist eine Hommage an die Einzigartigkeit eines jeden Einzelnen und macht all jenen Mut, die dem „Bunten Hund“ im Leben nix zutrauen. Zutrauen kann man dem Steff alles. So auch seinen eigenen Hendl-Wagen, der aber natürlich „Chicken Wing Bude King“ heißen muss. Neubeuern im Wechselbad zwischen Euphorie, Besinnlichkeit, Kabarett, Schalk, Poesie und Klamauk und feinen Gitarrenriffs. So geht bunt, so geht Keller Steff, der in keine Schublade passen mag – und das ist gut so. Danke dafür.Udo Kewitsch

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