Bad Endorf – „Petits Fours“ heißt wörtlich „kleine Backofen“, übertragen „kleine Stücke“, in der Kochkunst „kleine Köstlichkeiten aus der französischen Back-Küche“. Es war der Titel eines Konzertes im KultWerk Immling. Köstlichkeiten waren es in der Tat, was Judith Trifellner mit ihrem „Allegro con brio“ boten.
Da war alles ungewöhnlich: Die Besetzung mit gleich fünf Fagotten, aber auch Duette, ein Bläserklaviertrio und Quartett bis zum großen Kammerorchester, die Herkunft der Solisten aus Japan und Italien und aus vielen Orchestern von der Bad Reichenhaller Philharmonie bis zum Kölner Gürzenich-Orchester und die meist französischen Komponisten, von denen einige bei uns ziemlich unbekannt sind.
Würze durch
Kürze und Abwechslung
Und „petit“, also klein, waren die Köstlichkeiten auch: Obwohl es acht Stücke mit insgesamt 19 Sätzen waren, dauerte alles nur etwas über zwei Stunden. Hier lag die Würze wirklich in der Kürze und in der Abwechslung. Moderiert wurde alles heiter-kundig von der deutschen Fagottistin Tanja Schelter aus Bad Endorf. Das Fagott-Quintett spielte allerdings nur zweimal, am Anfang und am Schluss: Von Michel Corrette (1707 bis 1795) stammt das vergnügliche Stück „Le Phenix“, das die Fagottisten teilweise mit anmutig tupfendem Ton spielten. Sie beendeten das Konzert mit dem jazzigen „Golliwog’s Cakewalk“ von Claude Debussy. Schöne Legato-Kultur, Kantabilität, Virtuosität in den vielen Läufen und viele Klangfarben zeigte Kazuki Nagata in der selten gespielten spätromantischen Fagott-Sonate von Camille Saint-Saëns. Am – ziemlich verstimmten – Flügel saß Judith Trifellner. Dieses Petit Four war, um im Französischen zu bleiben, eine echte Trouvaille. Das ungestimmte Klavier passte dann gut in den jazzartigen Begleitakkorden im Bläser-Trio von Francis Poulenc (1899 bis 1963). Von hurtig-witzig bis rausschmeißerhaft-vergnügt reicht hier die Charakteristik-Spanne, zum schönen Fagott-Ton von Pietro Almi gesellte sich der edle Ton der Oboe von Takahiro Fujii. Er wirkte auch mit in den lustig-quirligen und fröhlichen, ja spitzbübischen „Trois piéces pour une musique de nuit“ von Eugène Bozza (1905 bis 1991), dazu Annalisa Cuel (Flöte), Filippo Polumbo (Klarinette) und Augusto Velio Polumbo am Fagott, alles sehr souverän und klangschön gespielt.
Klangmischung aus
Fagott und Streichern
François Devienne (1750 bis 1803) komponierte viel für die Flöte und auch für das Fagott und wird als der „französische Mozart“ gerühmt. Apart war die Klangmischung zwischen Fagott und Streichern in seinem g-Moll-Quartett op. 73/3. Fagottist war hier Francesco Muratori, am Cello saß Hotaka Sakai, an der Viola Angela Büsel, klanglich führte aber der Primgeiger Taiga Sasaki mit ungewöhnlich schönem blühenden Ton, passend für die elegante Melodik des Stücks. Das Fagott führte ausdrucksvoll im zweiten Satz mit Variationen und auch im Finale. Angefüllt war die Bühne dann in zwei Stücken mit dem von Judith Trifellner geleiteten Kammerorchester Allegro con brio, das allerdings nicht immer ganz homogen klang. Tanja Schelter war die Solistin im einsätzigen Fagott-Konzert von Gabriel Pierné (1863 bis 1937), das rhythmisch sehr belebt ist, dann wieder wie rauschhafte Filmmusik wirkt und in dem das Fagott dazwischen von der Klarinette umspielt wird. Tanja Schelter spielte ein Fagott, das mit seinem hellen Holz aus den anderen Fagotten herausstach, sie bewältigte das technisch herausfordernde Werk gut. In „Ciranda de sete notas“ von Heitor Villa-Lobos begleiten die Streicher das Solo-Fagott, das diesmal Augusto Velio Polumbo mit edelschönem und schmiegsamem Ton spielte. Dieses Stück, ein Kinderrundtanz, erforscht die sonnigen „sieben Töne“ der C-Dur-Skala und endet schließlich einstimmig auf dem „C“. Den begeisterten Beifall im gefüllten Saal beantworteten alle Musiker zusammen mit „Le Sauvages“ („Die Wilden“) von Jean-Philipp Rameau, wozu ein Fagottist diesmal auf einem Bongo trommelte: stimmiger Abschluss eines ungewöhnlichen und ungemein vergnüglichen Konzertes.