Schreiben, ohne lesen zu können

von Redaktion

In der Villa Maria in Bad Aibling berichtete Medienmann Max Kronawitter über seine Hirntumor-Diagnose, den schwierigen Weg der Behandlung und die Entstehung seines Buches „Ikarus stürzt“. Begleitet wurde er von seiner Frau sowie seinem guten Freund Willi Weitzel.

Bad Aibling – Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf den engagierten Medienmann Max Kronawitter vor drei Jahren die Nachricht, er habe einen bösartigen Hirntumor. Das sollte für ihn und seine Familie eine komplette Veränderung des täglichen Lebens zur Folge haben, dies war dem Diplomtheologen, Journalisten und erfolgreichen Filmemacher sofort klar. Nach Prognosen der Ärzte könnte 2022 sein letztes Lebensjahr sein.

Buch über
Krankheit und Genesung

Die Operation und mehrere Chemobehandlungen und Bestrahlungen haben ihn soweit gebracht, dass er nicht nur ein Buch über Krankheit und weitgehende Genesung schreiben, sondern auch die zahlreichen Besucher in der Villa Maria gut unterhalten konnte.

Ein wesentliches Defizit, das Krankheit und Behandlung ihm gelassen haben, blieb verborgen: Er kann nicht mehr lesen, die Buchstaben erschließen sich nicht mehr zu sinnhaltigen Wörtern. Aber er kann auf seinem Computer schreiben.

Also ist mithilfe seiner Frau das beeindruckende Buch „Ikarus stürzt“ entstanden. Wenn er wissen möchte, was er bisher geschrieben hat, liest seine Frau – deren freier Tag als Ärztin ist dafür reserviert – ihm das bisher Verfasste vor. Auch sein sehr enger Freund Willi Weitzel, der Kinderfilme und Unterhaltung für Kinder verfasste und heute Dokumentarfilmer ist, steht ihm häufig zur Seite.

Und so traten die drei an dem Abend in der Villa gemeinsam auf, Menschen, die durch einen Schicksalsschlag miteinander eng verbunden sind. Kronawitter selbst sprach frei von seinen Erlebnissen, seine Frau Heike brachte ihre eigene Perspektive mit ein und Willi Weitzel las einige Kapitel aus dem Buch vor. Zu Beginn seiner Ausführungen zog Kronawitter eine große Walnuss aus der Tasche, die, wie er sagte, einen Durchmesser von vier Zentimetern hat. „So groß war der Tumor, der in meinem Hinterkopf saß und den mir die Ärzte in einer großen Operation entfernten“, begann er mit seinen Ausführungen.

Ehefrau macht
sich sofort Sorgen

Mit Blitzen rechts oberhalb des Auges hatte es begonnen. Was ihm selber harmlos schien, machte seiner Frau sofort Sorgen, sodass sie ihn schnellstmöglich in die Uniklinik zu einer Untersuchung schickte. „Und dann fällt ein Wort, das ich in den nächsten Tagen so oft hören werde: Gliobastom“. Was sich sofort anschließt, ist das absolute Fahrverbot. Ein schwerer Schlag für den agilen, immer unabhängigen Kronawitter.

Andere Probleme stellen sich: Wie die Krankheit des Vaters den halbwüchsigen Kindern erklären, wie dem festen Freundeskreis? Bereits vor der OP in Großhadern, und sofort danach erfährt er eine große Welle von Zuneigung seitens seiner Freunde. Johannes, Abt der Benediktinerabtei von München und Andechs ist der erste, der ihn besucht. Da gelingt es ihm, Kronawitter, zwei Tage nach der OP schon wieder, mit dem Abt über seine Situation zu witzeln. Aber das Sehen ist noch gar nicht in Ordnung. Auf seine bangen Fragen, ob das Sehvermögen wieder hergestellt wird, erhält Kronawitter nur ausweichende Antworten. „Dass es ausgerechnet mich mit solchen Sehstörungen trifft, wo ich doch davon lebe, gute Bilder zu machen“, sinniert der Patient.

Viele Tiefs, aber auch Hochs während seiner Genesung erfuhr Kronawitter, und das Publikum in der Galerie war in Bann geschlagen. Die Veranstaltung erzählte zwar von lebensbedrohender Krankheit, aber in gleichem Maße von Mut, von Freundschaft und unerschütterlicher Zuneigung.

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