„Mach, dass die Menschen Bescheid wissen!“

von Redaktion

Aufrüttelnder Film über Myanmars Jugend im Widerstand – Premiere in der Aschauer Prientalhalle

Aschau – Die „Kulturbühne Aschau“ hat einen besonderen Ruf, wenn es um Literatur- oder Theater-Veranstaltungen, um Lesungen und Konzerte geht, Filmvorführungen sind im Programm eher die Ausnahme.

Und jetzt ist es gleich die Premiere eines Films, der in vieler Hinsicht aus dem Rahmen fällt. Sein Material sind Video-Telefonate, die der 22-jährige Widerstandskämpfer Saw Welcome aus den Bergwäldern Burmas mit dem Bernauer Filmemacher Detlev Neufert geführt hat. Die beiden kennen sich seit den Dreharbeiten an Neuferts Dokumentarfilm „Bebe und die Schule am Fluss“, den er noch vor dem Militärputsch in Myanmar gedreht hat.

Neufert hat viele Jahre im Nachbarland Thailand gelebt und gearbeitet, unter den Ostasien-Kennern hat er derzeit wohl die besten Kontakte und das aktuellste Wissen. Saw Welcome gehört zur Volksgruppe der „Karen“, die seit 200 Jahren christlich missioniert sind und im bergigen Südosten an der thailändischen Grenze sowie im Irrawaddy-Delta leben. Der Anbau von Reis und Gemüse gehört zu ihrem Lebensmittelpunkt. Myanmar kennt zahlreiche ethnische Gruppen, sie alle haben sich seit dem Putsch des Militärs zusammengeschlossen und so gut wie alle ländlichen Regionen befreit. Ihr Widerstand findet international bis auf ein paar lauwarme UNO-Bescheide kaum nennenswerte Unterstützung, während die Luftwaffe der Putschgeneräle die Zivilbevölkerung in den Dörfern ohne Rücksicht bombardiert. Neufert verfolgt die Entwicklung seit dem Militärputsch im Februar 2021 so direkt wie kein anderer, seinen Freunden unter den jungen Kämpfern helfen er und ein paar Unterstützer nach Kräften, doch angesichts der weitgehenden Nichtbeachtung des Konflikts – für die er wegen der Weltlage Verständnis aufbringt – hat er jetzt die Geduld verloren. Der so entstandene Film ist ein Kuriosum: noch nie hat der Regie- und Kino-Profi einen 45-Minuten-Film in zehn Tagen fertiggestellt, im Zwei-Mann-Team, das zwischen Bernau am Chiemsee und Berlin nur online gearbeitet hat und das, wie Neufert stolz feststellt, so kostengünstig wie noch nie.

Das Bild- und Tonmaterial besteht im Hauptteil aus den gespeicherten Video-Telefonaten mit dem Titel-Helden Saw Welcome. Genau das macht die Faszination des Films aus, denn authentischer kann die Lage eines jungen Mannes, der mit seinen Freunden aus Überzeugung für die Freiheit kämpft, kaum gezeigt werden.

Die beiden telefonieren auf Englisch, wobei Saw Welcome erst nach einiger Zeit gut zu verstehen ist, weil der Ton manchmal wackelt, doch durch die Untertitel stellt sich das Verständnis rasch ein. Es gibt erklärende Zwischentexte, Bildeinblendungen aus friedlichen Zeiten in „der Schule am Fluss“ und harte Gegenbeispiele aus dem Kampf- Alltag. Darunter Bilder, die zeigen, wie gnadenlos das Militär die friedliche Bevölkerung zwingt, für etwas zu kämpfen, das keiner in Myanmar je gewollt hat. Gefangene der Widerständler sehen sich endlich befreit.

Die 2020 demokratisch gewählte Regierungschefin und Friedensnobelpreis-Trägerin Aung San Suu Kyi wird an unbekanntem Ort gefangen gehalten, in den Städten herrscht brutal das Militär und trotz des zunehmend erfolgreichen Widerstands leidet Myanmar unter einer humanitären Katastrophe. Da verblüfft es uns als Zuschauer, wenn Saw Welcome vor der Videokamera in keinem Moment das Lächeln vergisst, ein bewegendes Zeugnis des Optimismus, den die Jugend von Myanmar uns vorlebt.

„Mach, dass die Menschen Bescheid wissen!“, sagt er seinem Freund und Filmemacher im noch friedlichen Westen und der hat die Botschaft verstanden. Der Dokumentarfilm „Saw Welcome – Eine Jugend im Widerstand“,wird erstmals am 27. Februar, 19.30 Uhr, in der Aschauer Prientalhalle gezeigt. Klaus Bovers

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