„Musik hat mir das Leben gerettet“

von Redaktion

Interview Liedermacher Pippo Pollina über die Bedeutung von Kultur

Rosenheim – Am 11. März gastiert Pippo Pollina mit seinem aktuellen Programm „La vita è bella così com´è“ – für das es nur noch wenige Restkarten gibt – im Rosenheimer Ballhaus. Der engagierte und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Musiker begeistert seit Jahrzehnten sein Publikum in ganz Mitteleuropa mit seinen Liedern und Texten. Im Vorfeld nahm er sich Zeit für ein Gespräch mit dem OVB.

Sie beehren im März erneut das Rosenheimer Publikum mit einem Konzert im Ballhaus – worauf dürfen sich die Zuschauer dieses Mal freuen?

Es wird das neue Programm gespielt, hauptsächlich die neuen Lieder der neuen CD („Fra Guerra e Pace“ – „Zwischen Krieg und Frieden“, erschienen im vergangenen November bei Jazzhouse Records und nur analog erhältlich, Anm. d. Red.), mit der neuen Band. Als einziger alter Bekannter wird mich Roberto Petroli begleiten, der seit fünfzehn Jahren mit mir unterwegs ist. Alle anderen sind das erste Mal gemeinsam mit mir auf Tournee. Wir haben bislang 18 Konzerte gespielt bei dieser Tranche der Tournee und es hat sich alles superschön eingespielt zusammen. Es handelt sich um meine Pianistin, Akkordeonistin und Sängerin aus Parma, Elisa Sandrini, sowie Gionata Colaprisca, Perkussionistin aus Catania, und die Cellistin Cecile Grüebler aus Zürich. Natürlich dürfen auch die alten Klassiker nicht im Programm fehlen, und auch Lieder, die ich sehr selten gespielt habe.

Sie kommen seit vielen Jahren nicht nur für Konzerte in die Rosenheimer Region – was verbinden Sie mit ihr?

Ja, die Region kenne ich natürlich supergut; einmal, weil ich sechs Alben in Bad Endorf produziert habe, mit Martin Kälberer in Bad Endorf, das ist ja 20 Minuten von Rosenheim entfernt, daher bin ich immer wieder dort gewesen, zum Abendessen oder so. Darüber hinaus habe ich natürlich schon zahlreiche Konzerte gespielt, im Ballhaus und im Kuko. Seit die Bekanntschaften mit Martin Kälberer und Werner Schmidbauer eng geworden sind, gehört Rosenheim zu einem meiner „natürlichen“ Ziele für Konzerte – in Oberbayern darf Rosenheim nicht fehlen! Ich freue mich immer wieder sehr, zu Euch zu kommen. Es gibt auch ganz gute Cafés und Trattorien in Rosenheim. Ende des Jahres werden wir auch noch in Bad Aibling spielen.

Man hört von Ihnen oft den Satz „Die Musik hat mir das Leben gerettet – und wird es immer wieder tun“ – was steckt hinter diesem Ausspruch?

Es ist ein bisschen zu meinem Motto geworden, um einmal mehr der Musik ein Gewicht zu geben, die eine große Rolle in meinem Leben gespielt hat. Die Musik hat mein Leben voll und ganz geprägt – ohne die Musik wäre es nicht dasselbe Leben gewesen! Deshalb kann ich sagen, sie hat mir das Leben gerettet, in dem Sinne, dass die Art von Leben, von dem ich geträumt habe, nur verwirklicht werden konnte, weil ich Musiker geworden bin. Ansonsten hätte ich viel weniger Möglichkeiten gehabt, mich ausdrücken zu können, so wie ich es mit der Musik getan habe. In diesem Sinne hat die Musik das Leben, von dem ich geträumt habe, gerettet. Als Musiker hat man die Möglichkeit, sehr viele Menschen auch auf emotionaler Ebene zu erreichen.

Sie sind erklärter Pazifist und widmen Ihr aktuelles Album all denen, „die (kriegsbedingt) jeden Tag mit dem Tod leben müssen und den Unschuldigen, die unter den Bomben sterben, die von allen Himmeln dieser Welt abgeworfen werden“. Sind angesichts des Handelns und der Aussagen vieler Staatsoberhäupter die Kunst und die Kultur vielleicht die besten – oder gar die einzigen Möglichkeiten, die Menschen wachzurütteln und Frieden zu stiften?

Ich glaube, die Kultur schafft das sogar mehr als der Sport. Beim Sport gibt es immer diesen agonistischen Moment, das macht das Ganze manchmal ein bisschen kritisch. Die Kultur hingegen konkurrenziert sich von ihrer Natur her nicht – deshalb denke ich, die Kultur, wahrscheinlich und die Musik, ganz sicher, sind die einzigen Möglichkeiten, die wir haben, um eine Plattform aufzubauen, wo der Frieden vollen Ausdruck finden kann. In einer Zeit wie dieser, mehr denn je, kann die Kultur eine wichtige Rolle spielen, um die Nationen und die Menschen, die weit weg wohnen und die eine andere Sprache sprechen, in Kommunikation zu bringen. Das glaube ich fest, und einmal mehr in diesen Krisenzeiten hat die Kultur im allgemeinen Sinne des Wortes eine wichtige Funktion. Und ich bin überzeugt, dass sie jetzt bereits hilft und noch mehr helfen wird, falls es sich noch mehr verschärfen sollte. Wenn man beispielsweise die Epstein-Files liest, merkt man, wie perfide die Kultur der Macht bei mächtigen Menschen agiert. Dass sich so viele mächtige Menschen so verhalten haben wie Epstein, das ist einfach unglaublich.

Mit Ihrem neuen Album leisten Sie dazu einen wichtigen Beitrag – im Booklet der CD findet man die eindringlichen Liedtexte in deutscher und italienischer Sprache…

Ja, das war tatsächlich immer meine Intention, mit den Texten. Und es wird auch dabei bleiben, dass meine Alben in physischer Form und nicht auf digitalen Plattformen erscheinen.

Mit „La notte dei Cristalli“ haben Sie zum ersten Mal zusammen mit Ihren Kindern Madlaina und Julian (alias Faber) einen Titel interpretiert – wie war das für Sie?

Das war wunderbar! Ich hatte großen Spaß daran, und meine Kinder auch. Der Videoclip wurde zudem von der Mutter meiner Kinder gedreht – die ganze Familie war beteiligt, das war wunderbar. Ich hatte das initiiert – es war nur die Frage, welches Lied es sein sollte und wir haben uns für ein politisches Statement entschieden – das war die richtige Idee. Vielleicht schaffen wir es im Laufe des Jahres, es auch einmal gemeinsam auf der Bühne zu singen, vielleicht bei einem größeren Auftritt wie im Herbst im Circus Krone – das würde ich mir wünschen.

Claudia Pfurtscheller

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