Ausstellung

Experiment im Kulturforum

von Redaktion

48. Kunstsprechstunde – Lesung mit Ausstellung in der Städtischen Galerie Traunstein

Traunstein – Es ist ein kleines Experiment, das da vor Kurzem in der Städtischen Galerie im Kulturforum Klosterkirche Traunstein stattgefunden hat. Und es dürfte den rund 100 Besuchern wohl in positiver Erinnerung bleiben und die Frage nach einer Fortsetzung eröffnen.

In dem neuen Veranstaltungsformat mit Lesung haben sich der Traunsteiner Künstler und Organisator der „Kunstsprechstunde“, Helmut Mühlbacher, und Galerieleiterin Judith Bader erstmals zusammengetan, um Poesie und bildende Kunst als dialogischen Prozess erlebbar zu machen. Das Ergebnis dieser ungewöhnlichen Lesung mit Ausstellung ist noch bis 1. März unter dem Titel „Die Wege, im Gehege“ zu sehen. Die Veranstaltung war auch Teil des Literaturfestes „Leseglück“, das noch bis 28. Februar geht.

Autorin
Margret Kreidl zu Gast

Für die 48. Kunstsprechstunde hatte Mühlbacher durch Vermittlung der Traunsteiner Literatin Anja Sturmat die Autorin Margret Kreidl als Gast eingeladen. Die gebürtige Salzburgerin lebt als freie Schriftstellerin in Wien, unterrichtet am renommierten Max Reinhardt Seminar, das Musik und darstellende Kunst verbindet, und wurde 2024 mit dem H.C. Artmann-Preis für „herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Lyrik“ ausgezeichnet.

In Traunstein trug Kreidl ihr Langgedicht „Die Wege, im Gehege“ vor. Der Text entstand aus einer intensiven Beschäftigung mit dem künstlerischen Werk und Leben der kanadisch-amerikanischen Malerin Agnes Martin (1912 bis 2004). Speziell die Bilderserie „The Islands“ von 1979 wirkte als inspirierende Vorlage.

Auf faszinierende Weise nähert sich die Schriftstellerin dabei formal, verbal und inhaltlich der Arbeitsweise der Malerin. In äußerster Verknappung und Reduktion der Worte erreicht sie eine bemerkenswerte gedanklich-assoziative Aufladung und Intensivierung des Textes.

In der poetischen und zugleich analytischen Annäherung an Agnes Martin spiegelt sich deren zeichnerische und malerische Auseinandersetzung mit den Größen Linie und Strich, Raster, Fläche und Raum, Rahmen und Leinwand oder Wiederholung wider. Ebenso wird das Ringen im Ausdruckschaffen und die sinnlichen Qualitäten des künstlerischen Prozesses sowohl bei der Malerin wie auch der Poetin deutlich.

Innere Befindlichkeiten wie Traurigkeit, Weißglut, Widerstand, Befreiung oder Stille schimmern durch. Die bildnerisch-minimalistische Abstraktion auf der Leinwand findet ihr Pendant in poetischer Verknappung, Verdichtung, Wiederholung sowie Rhythmisierung und Fluss der Worte: „Freiheit gibt es nur im Rahmen des Rasters“, „Der Strich ist eine Vision, die näher kommt“ oder: „Die Bilder haben geheime Namen. Sie zeichnen sich in der Luft ab: Silbe für Silbe. Du setzt die Namen zusammen, damit der Honig zu tropfen beginnt.“

Der aufgezeichnete Vortrag kann an einer Hörstation der Ausstellung abgerufen werden.

Textbearbeitung
erfordert Konzentration

Im Gespräch mit dem Publikum machte Kreidl im Anschluss deutlich, wie viel Konzentrationsarbeit die immer wieder erneute Überarbeitung und Verdichtung des Textes erfordert habe, „um nicht im Beschreiben hängen zu bleiben“.

Zahlreiche Fragen des Publikums zeigten das lebhafte Interesse, das die Lesung ausgelöst hat. Robert Heigl interessierte, welche Bedeutung die Auseinandersetzung mit Martins Biografie für Kreidl gehabt habe. Eine Hörerin fühlte sich an Rilkes Gedicht „Der Panther“ erinnert.

Günter Fembacher interessierte sich für die Rolle der Rose, die auf den Werken von Ivan Mellauner in der Ausstellung zu sehen ist, und den Zusammenhang mit dem Werk von Agnes Martin.

Er leitete damit über zu den in der Ausstellung gezeigten Arbeiten, die sozusagen den künstlerischen „Resonanzraum“ zu Kreidls Gedicht und dem Werk von Agnes Martin bilden. Die Städtische Galerie hat dazu die Künstler Christine Ott (München), Uwe Bressnik (Wien), Ivan Mellauner (Chieming) und Jeffrey Veit (Traunstein) eingeladen und deren Werke um zwei Gemälde des 2023 verstorbenen Künstlers Hermann Wagner und eine Tuschearbeit des Fridolfinger Künstlers John Schmitz ergänzt.

Mit dem zehnteiligen Fotodruck „Die Schönheit ist in meinem Kopf“, das eine verblassende Rose bis hin zur völligen Abstraktion zeigt, greife er eine bezeichnende biografische Ausstellungs-Anekdote von Agnes Martin zum Schönheitsbegriff auf, erläuterte Mellauner.

In intensiven Diskussionen mit dem Publikum erläuterte er ebenso wie Veit und Bressnik ihre Inspiration und Werkbezüge zum Werk von Martin. Verblüffende Effekte zeigen einige der ausgestellten Werke, wenn man sich ihnen aufmerksam nähert.

Exkurs zu Auswirkungen
der Digitalisierung

Spannend war auch ein Exkurs von Margret Kreidl zu möglichen gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz auch mit Blick auf ihre Rolle als Dozentin von Schauspielschülern.

Öffnungszeiten im Kulturforum

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