Neubeuern – Am Valentinstag spielte der junge Cellist Benedict Kloeckner im Schlosssaal von Neubeuern vier der legendären Cellosuiten von Johann Sebastian Bach. Bach, so Kloeckner augenzwinkernd, sei ein romantischer Mensch gewesen, denn er habe zahlreiche Kinder gehabt. Vermutlich als Tribut an den Tag der Liebe trug Kloeckner zu seinem dunklen Outfit rote Socken.
Die Cellosuiten sind nach den Worten Pablo Casals die Essenz der Bachschen Musik. Obwohl ursprünglich zu Lern- und Übungszwecken entstanden, gehören sie sozusagen zu den Pflichtstücken aller bedeutenden Cellisten.
Alle Suiten weisen die gleiche Form auf: Allemande, Courante, Sarabande und Gigue, die durch etwas modischere Tänze unterbrochen sind.
Die Suite Nr. 1 in G-Dur mit ihren ständig wiederkehrenden Akkordbrechungen und tänzerischen Rhythmen in Allemande und Courante spielte Kloeckner recht lebhaft mit oft geschmeidig ausschwingendem Celloton. Der Kontrast zwischen sich steigernden Tonleiterfiguren im Prélude und der schlichten Einstimmigkeit der Menuette bannten das Publikum.
Festlichen Charakter mit weit ausholenden Arpeggien charakterisierte die dritte Cellosuite in C-Dur. Auf die feingegliederte Allemande, die dahinjagende Courante und die würdig dahinschreitende Sarabande folgte eine effektvoll virtuose Gigue.
Kloeckner interpretierte die Suite kraftvoll und plastisch, von den Tempi aber mitunter eigenwillig und eher romantisierend.
Schön anzuhören war das melodisch bewegte Prélude der zweiten Suite in d-Moll. Dominieren in der Allemande stärkere rhythmische Gliederungen, ist die Courante überwiegend in fließenden Sechszehnteln gehalten. Düster hingegen wirkte die Gigue mit gezackter Melodik und stampfenden Rhythmen. Beseelt durch die Musik, schaute Kloeckner öfter gleichsam zum Himmel, spielte leidenschaftlich und mit vollem Körpereinsatz.
Die sechste Suite ist ursprünglich geschrieben für ein fünfsaitiges Cello. Kloeckner bezeichnete dieses Meisterwerk bewundernd als Sinfonie für ein Instrument. Das Prélude besitzt eine formale Logik und ist geprägt von sich steigernden und lockernden Spannungsbögen. Nach der vielschichtig gegliederten Allemande erklangen eine schlichte, heitere Courante und eine melodische Sarabande. Die Gigue schließlich erinnerte an eine wild dahinstürmende Jagd.
Als effektvolle Zugabe spielte Kloeckner noch das heftig umjubelte, raffiniert-artistische Lamentatio von Giovanni Sollima und das katalanische Volkslied „Gesang der Vögel“.
Georg Füchtner