Amerang – Das bevorzugte Sujet des Malers und Grafikers Hendrik Müller sind Oldtimer, die auf seinen Gemälden in altem Glanz erstrahlen. Neben Kurven aus Chrom und Blech hat der Künstler auch eine Schwäche für weibliche Konturen und „süße Sünden“. Die fotorealistische Darstellung eines bunt gefüllten Bonbonglases wirbt als plastisches Motiv für die neue Ausstellung im Ameranger Rathaus.
Zur Vernissage der „Kunst im Rathaus“ fanden sich zahlreiche Bürger ein, aktive und ehemalige Mitglieder des Gemeinderats, und auch Architekt Sebastian Mayer verfolgte die künstlerische Ausgestaltung des Amtsgebäudes mit großem Interesse.
Nach der Begrüßung durch den ersten Bürgermeister Konrad Linner und Christine Rußwurm, Initiatorin der Ausstellung, hielt Robert Betzl, Geschäftsführer des „Rosenheimer Journals“, eine Laudatio auf Hendrik Müller, seinen Wegbegleiter, der die Leser des Magazins in den vergangenen 30 Jahren immer wieder mit spektakulären Redaktionsbeiträgen und Werbeplakaten begeistert habe, einmal sogar mit einem Titelbild.
Hendrik Müller steht dem Foto- und Hyperrealismus nahe, malt meistens mit Acryl auf Leinwand. Wer ihn kenne, so Betzl, der wisse, dass dies keine kühle Technikmalerei sei. „Er malt Menschenporträts, Akte, Stillleben, Maschinen, Automobile und alles mit der gleichen Aufmerksamkeit.“ Durch Ausschnitt, Perspektive, Licht und Spiegelung würden aus Dingen Charaktere. Autos würden zu Persönlichkeiten, seine Porträts erzählten Geschichten, und selbst Flaschenöffner oder Bleistifte erhielten bei Hendrik Müller eine gewisse Würde.
Die Reihe „Kunst im Rathaus“ legt ihren Schwerpunkt auf heimische Künstler, egal aus welcher „Couleur“. „Kunst darf alles und muss nichts. Ein Impuls aus der Gemeinde, der woanders nur selten zu finden ist“, merkte Robert Betzl anerkennend an. Der Autodidakt Hendrik Müller passe in dieses Konzept wie kaum ein anderer. In den 1970er-Jahren begann er als Siebdrucker in der legendären Dietz-Offizin in Soyen. Er arbeitete mit Größen wie Hundertwasser, Arik Brauer und Rudolf Hausner. Jahrelang illustrierte Müller die Titelmotive des BMW-Magazins. Seit zwölf Jahren lebt der Künstler im nahegelegenen Wölkham. Für die Opernfestspiele Amerang entwarf er viele Jahre die Bühnenbilder, für das Automuseum liefert sein Lebenswerk die passende Bildsprache. „Geschichte, Technik und Gegenwart im Gespräch. Mit der Ausstellung im Rathaus schließt sich ein Kreis“, resümierte der Laudator. Ein besonderer Hingucker der Ameranger Ausstellung ist neben der erwähnten bunten Bonbonniere ein süßer Spatz, der frech auf einer Motorhaube posiert, in deren polierten Lack sich der Pariser Eiffelturm spiegelt. Das Gemälde trägt den Titel „Hommage à Edith Piaf“. Die Arbeiten von Hendrik Müller können noch bis zum 24. April zu den Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung im Rathaus Amerang besichtigt werden. Angela Pillatzki