„Fühle mich dem Ort verbunden“

von Redaktion

Am morgigen Freitag spielt das Orchester „Strings in Motion“ in Kolbermoor. Ein Mitglied des Ensembles ist Marinus Kreidt. Er kommt ursprünglich aus der Mangfallstadt und lehrt heute sogar an der dortigen Musikschule. Im Interview spricht er unter anderem darüber, wieso der Umstieg zur Bratsche für ihn ein Wendepunkt war.

Kolbermoor – Am Freitag, 27. Februar, gastiert auf Einladung der Stadt Kolbermoor das Orchester „Strings in Motion“ um 19.30 Uhr im Kolbermoorer Mareissaal. Ein Ensemblemitglied ist in der Mangfallstadt kein Unbekannter: Marinus Kreidt. Im Gespräch erzählt der Musiker vorab über sich und das Konzert in Kolbermoor.

Wie sind Sie Mitglied bei „Strings in Motion“ geworden?

Ich bin vor rund zehn Jahren im Rahmen meines Studiums am Tiroler Landeskonservatorium erstmals mit „Strings in Motion“ in Kontakt gekommen. Damals hatte das Projekt noch den Charakter eines Meisterkurses mit Einzel- und Kammermusikunterricht sowie Orchesterarbeit. Über die Jahre hinweg habe ich viele verschiedene Rollen im Ensemble durchlaufen – vom Eintritt ins Orchester über Stimmführertätigkeiten bis hin zu solistischen Auftritten. Dafür bin ich sehr dankbar. Ein persönlicher Wendepunkt war für mich der Umstieg zur Bratsche: In dieser Zeit hatte ich das Gefühl, mein Instrument wirklich gefunden zu haben. Parallel dazu habe ich begonnen, mich zunehmend auch organisatorisch und konzeptionell in die Weiterentwicklung von „Strings in Motion“ einzubringen.

Was ist das Besondere am Projekt „Strings in motion“?

„Strings in Motion“ ist ein Ensemble ohne Dirigenten. Die musikalische Arbeit entsteht von innen heraus: Proben, Interpretationen und Entscheidungen werden gemeinsam entwickelt. Die Kommunikation ist demokratisch und auf Augenhöhe – das schließt intensive Diskussionen ausdrücklich mit ein. Im Zentrum steht die gemeinsame Suche nach einer überzeugenden Interpretation. Diese Offenheit und Verantwortung jedes Einzelnen machen das Projekt so besonders, weil die künstlerische Idee tatsächlich aus der Mitte des Ensembles kommt.

Wo überall haben Sie mit dem Orchester bereits Konzerte gegeben?

Der Schwerpunkt unserer Konzerttätigkeit liegt im Alpenraum – in Salzburg, Bayern, Tirol und Südtirol. Ein weiterer wichtiger Wirkungsort ist Griechenland, wo wir jedes Jahr mehrere Konzerte im ganzen Land geben. Darüber hinaus war das Ensemble auch bereits in Mexiko zu Gast.

Sie kommen aus einer sehr musikalischen Familie – musizieren Sie noch häufig gemeinsam?

Ich bin in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen und habe viele Jahre Unterricht bei meinem Vater Martin Kreidt erhalten. Gemeinsames Musizieren gibt es heute seltener, aber es kommt immer noch vor – besonders zu familiären Anlässen wie Weihnachten.

Sie waren Schüler an der Musikschule Kolbermoor und sind nun selbst dort Lehrer. Nur ein Job oder mehr?

Meine Zeit an der Musikschule Kolbermoor hat mich sehr geprägt – nicht nur durch den Instrumentalunterricht, sondern auch durch den Kinder- und Jugendchor. Ich fühle mich diesem Ort und den Menschen dort sehr verbunden. Es ist für mich eine große Ehre, heute selbst an der Musikschule unterrichten zu dürfen und damit auch ein kleines Stück der Arbeit meines Vaters fortzuführen. Unterrichten bedeutet Verantwortung, ist für mich aber zugleich ein wertvoller Ausgleich zur Konzerttätigkeit, bei dem ich jedes Mal dazulerne.

Sie durften auf der Original-Bratsche von Mozart spielen. Wie kam es dazu?

Diese Begegnung war für mich eine außergewöhnliche Erfahrung. Im Rahmen einer Veranstaltung, bei der Instrumente aus Mozarts Besitz vorgestellt wurden, durfte ich erstmals auf dieser Bratsche spielen. Das Instrument wurde erst vor Kurzem restauriert und war lange Zeit nicht spielbar. Seitdem habe ich immer wieder die Möglichkeit, darauf zu musizieren, was mir jedes Mal neue Impulse für die Interpretation von Mozarts Musik gibt.

Ist es für Sie etwas Besonderes, mit „Strings in Motion“ in Ihrer Heimatstadt zu spielen?

Ja, definitiv. Konzerte in Kolbermoor sind für mich immer mit großer Dankbarkeit verbunden. Die Aufmerksamkeit, Offenheit und Begeisterung des Publikums empfinde ich hier als etwas ganz Besonderes. Mit diesem Ensemble in meiner Heimatstadt auftreten zu dürfen, motiviert mich sehr. Ich finde es auch außerordentlich gut von den Verantwortlichen bei der Stadt Kolbermoor, dass für Jugendliche und junge Erwachsene der Eintrittspreis nur die Hälfte beträgt. Gerade auch für Familien ist das sicher eine deutliche Erleichterung.

Was sind Ihre weiteren Pläne und Ziele als Musiker?

Mein Ziel ist es, mit Musik zu berühren und gleichzeitig immer eine Botschaft zu senden. Musik ist für mich weit mehr als das bloße Spielen von Tönen, Werken oder Komponisten. Kunst beginnt dort, wo sie etwas aussagt und eine innere Haltung transportiert. Mit der Bratsche fühle ich mich dabei am richtigen Ort, weil sie der menschlichen Stimme sehr nahe ist. In der gemeinsamen Probenarbeit geht es uns immer darum, durch unsere Instrumente zu sprechen und eine Bedeutung zu vermitteln. Darüber hinaus sehe ich Musik auch als etwas gesellschaftlich sehr Wertvolles. Gemeinsames Musizieren – nicht nur auf professioneller Ebene – bringt Menschen zusammen, schafft Verbindung und hilft, Konflikte zu verstehen und mit ihnen umzugehen. Gerade deshalb glaube ich, dass Musik heute mehr denn je gebraucht wird und einen wichtigen Beitrag zu einem respektvollen Miteinander leisten kann.

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