Glanzvoller Harmonieabend

von Redaktion

„Munich Harmonists“ lassen in Kiefersfelden die 20er- und 30er-Jahre aufleben

Kiefersfelden – Mit feinem Gespür für Stil, perfekter Klangbalance und viel Sinn für theatralische Nuancen verwandelten die „Munich Harmonists“ am Montagabend die bis auf den letzten Platz ausverkaufte DYNAFIT Speed Factory in einen schillernden Salon der 1920er- und 1930er-Jahre.

Im Rahmen der Reihe „Montag und Musik“ demonstrierte das Münchner Vokalensemble eindrucksvoll, wie lebendig, elegant und zugleich anspruchsvoll Close-Harmony-Gesang klingen kann. Was andernorts leicht zur reinen Nostalgieschau verblasst, wurde hier zu einem musikalisch hochpräzisen, dramaturgisch klug komponierten Konzertabend mit Schwung, Charme und künstlerischer Geschlossenheit. Einmal mehr bewies die künstlerische Leiterin Anahita Ahsef ein feines Gespür für Qualität und Publikumsgeschmack – der ausverkaufte Saal sprach für sich. Für die Bequemlichkeit im Saal sorgte die Gemeinde Kiefersfelden: Bürgermeister Hajo Gruber stellte die Bestuhlung als Dauerleihgabe für „Montag und Musik“ zur Ausstattung des Veranstaltungsraums zur Verfügung.

Bariton mit
prägender Rolle

Eine prägende Rolle des Abends kam Ensemblegründer und Bariton Manfred Stecher zu. Mit seiner warmen, tragfähigen Stimme sorgt er im Ensemble für klangliche Balance, zugleich führte er mit ruhiger Präsenz und feinem Humor durch das Programm. Bereits in der Musiktheaterproduktion „Die Comedian Harmonists“ wirkte Stecher mit und erzählte die Geschichte des legendären Vorbild-Ensembles auf der Bühne nach – eine Erfahrung, die auch dem Konzert in Kiefersfelden spürbar dramaturgische Tiefe verlieh.

Neben Manfred Stecher prägen auch die übrigen Sänger das charakteristische Profil der „Munich Harmonists“ mit unverwechselbaren stimmlichen Farben. Die Tenöre Klaus Steppberger und Manuel Ried überzeugen mit strahlender Höhe, klarer Linienführung und jener eleganten Leichtigkeit, die den Klang der 1930er-Jahre so unverwechselbar macht. Manuel Adt bringt als Bariton Wärme und Geschmeidigkeit in den Mittellagenbereich, während Bass Clemens Joswig dem Ensemble mit sonorer Tiefe und ruhender Präsenz ein tragfähiges Fundament verleiht.

Jeder der fünf Solisten setzt individuelle Akzente in Phrasierung, Timbre und Ausdruck – und doch ordnet sich alles einem gemeinsamen Ideal unter: dem geschlossenen, fein austarierten Harmonieklang. Gerade dieses Spannungsverhältnis zwischen persönlicher Interpretation und disziplinierter Ensemblekultur macht den besonderen Reiz der „Munich Harmonists“ aus – ein Chor im besten Sinne, getragen von fünf eigenständigen Künstlerpersönlichkeiten.

Schon mit „Wochenend und Sonnenschein“ bewiesen die fünf Sänger und ihr Pianist jene federnde Leichtigkeit, die den Klang der „Comedian Harmonists“ einst unverwechselbar machte. Die Stimmen griffen geschmeidig ineinander, die Tenöre strahlten in sicherer Höhe, während Bariton und Bass ein tragfähiges Fundament legten. Pianist Oliver Hahn hielt das Ensemble mit stilkundiger Eleganz zusammen und setzte pointierte Akzente, ohne sich je in den Vordergrund zu spielen. Der erste große Szenenapplaus ließ nicht lange auf sich warten – ein Zeichen dafür, wie präsent diese Musik auch heute noch im kollektiven Gedächtnis ist.

Mit „Veronika, der Lenz ist da“ erreichte der Abend einen ersten Höhepunkt. Wortwitz, rhythmische Präzision und eine augenzwinkernde Choreografie verbanden sich zu einem Vortrag, der das Publikum spürbar mitnahm. Hier zeigte sich die besondere Stärke des Ensembles: die Verbindung aus technischer Disziplin und spielerischer Bühnenfreude. Jeder Einsatz saß, jede dynamische Abstufung war fein austariert, und doch wirkte nichts kalkuliert. Der Applaus war entsprechend herzlich und lang anhaltend. Auch „Ein Freund, ein guter Freund“ geriet zu einer Hommage an jene Epoche, in der Unterhaltungsmusik zugleich Trost und Aufbruch bedeutete. Die „Munich Harmonists“ ließen die melancholische Unterströmung des Liedes hörbar werden, ohne ins Sentimentale zu kippen. Die Transparenz der Stimmführung und die kluge Phrasierung verliehen dem Klassiker eine neue Frische. Ähnlich überzeugend gelang „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“, das mit seiner eleganten Linienführung und charmanten Dialogstruktur zwischen den Stimmen begeisterte.

Nach der Pause steigerte sich das Ensemble noch einmal in Ausdruck und Präzision. „Mein kleiner grüner Kaktus“ wurde zum mitreißenden Kabinettstück vokaler Virtuosität: pointierte Konsonanten, blitzsaubere Einsätze und ein rhythmischer Drive, der das Publikum zu spontanem Zwischenapplaus hinriss. Hier blitzte jene Mischung aus Ironie und musikalischer Ernsthaftigkeit auf, die den Stil der „Comedian Harmonists“ auszeichnete und von den „Munich Harmonists“ mit großer Selbstverständlichkeit fortgeführt wird. Den emotionalen Schlusspunkt setzte „Irgendwo auf der Welt“. In diesem Lied, das zwischen Hoffnung und leiser Wehmut schwebt, entfaltete das Ensemble seine ganze klangliche Tiefe. Die Stimmen verschmolzen zu einem warmen, tragenden Gesamtklang, der den Raum mühelos füllte. Man spürte im Saal eine konzentrierte Stille, ehe der Applaus losbrach – lang, stehend, dankbar.

So wurde der Abend in Kiefersfelden mehr als eine musikalische Zeitreise. Die „Munich Harmonists“ bewiesen, dass die Vokalkunst der 1930er-Jahre keineswegs museal ist, sondern – richtig interpretiert – zeitlos wirkt.

Stilistische
Souveränität

Mit stilistischer Souveränität, stimmlicher Homogenität und einer feinen Portion Humor gelang ihnen ein Konzert, das gleichermaßen unterhielt wie beeindruckte. Das Publikum feierte die Darbietung mit lang anhaltendem Szenenapplaus, der immer wieder spontan aufbrandete, und erhob sich am Ende begeistert zu stehenden Ovationen. Erst nach mehreren mit Nachdruck und großem Beifall eingeforderten Zugaben durften sich die Musiker schließlich von der Bühne verabschieden.

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