Stephanskirchen – Thomas Schuch, aus Stephanskirchen stammend und mit dem Kulturförderpreis des Landkreises gekrönt, spielte auf einer sonntäglichen Matinee im Antrettersaal. Allerdings nicht sonntäglich Heiteres, sondern Musik von Franz Schubert, „nur“ zwei Werke: seine letzte Sonate in B-Dur D 960 und die „Drei Klavierstücke“ D 946.
40-minütige
Sonate
„Nur“ deswegen, weil allein die Sonate knapp 40 Minuten dauert, vor allem aber, weil diese Musik zum Traurigsten in der Klaviermusik zählt. Aber Thomas Schuch schaffte es, die in Scharen herbeigeeilten Zuhörer die gesamte Zeit in Bann zu schlagen.
Bei Schuberts B-Dur-Sonate fragt man sich immer: Was macht der Pianist mit dem so oft grummelnden, brummelnden oder drohenden Bass-Triller auf dem Kontra-Ges? Schuch nahm ihn kurzerhand als Gliederungsmittel, zeigte, wie er Harmoniewechsel einleitet und wie die Pausen davor und danach, oft mit einer Fermate versehen, als Stau der verfließenden Zeit gesehen werden können: Die Zeit steht still. Schuch nahm da sowieso ein bedeutsam-langsames Tempo und ließ die so unendlich oft wiederholte Melodie sich bedachtsam fortträumen. Dabei blieb seine Artikulation immer plastisch, nichts verschwamm ins Dämmernde, ins „Romantische“. Bei aller plastischen Deutlichkeit demonstrierte er aber im zweiten Satz, wie fragil, wie nahe am Abgrund diese Musik ist, wenn sie sich mit Akkordballungen aufbäumt und dann wieder ermattet herniedersinkt.
Schuch lässt Scherzo
munter laufen
Fast trotzig heiter kam dann das Scherzo, das Schuch munter laufen ließ genauso wie das nicht enden wollende und ständig in sich kreiselnde Finale.
Nach dieser Sonate konnte man ein bisschen aufatmen, weil Schuch ein paar erhellende Worte über den Mensch und Komponisten Schubert sprach. Dann wurde es wieder traurig und schauerlich einsam in den „Klavierstücken“: Nervös-heftig bewegt begann Schuch das Allegro assai und ließ die Melodie im Mittelteil sehnsüchtig seufzen. Das Allegretto kam schlicht und innig wie ein typisches Schubert-Lied, das aber mittendrin plötzlich zitternd erregt ist mit hin- und hertaumelnden Sechzehnteln. Und fast gespenstisch gehetzt schloss Schuch mit dem Allegro. Für den begeisterten Beifall bedankte er sich mit nochmal Schubert, allerdings wurde es jetzt gemütlicher mit zwei Ländlern, bei denen man sich erinnerte, wie Schubert in den nach ihm benannten „Schubertiaden“ dauernd am Klavier saß und spielte, während die anderen lustig tanzten: ein trauriges Los auch hier.