Westafrikanische Klänge in der Klosterkirche

von Redaktion

Ibou Kalaama gibt gemeinsam mit Chiemgauer Musikern ein Konzert in Traunstein

Traunstein – Ibou Kalaama stammt aus der Grenzregion vom Senegal und Mauretanien aus einer Familie von Griots, also berufsmäßigen Sängern, Dichtern, Instrumentalisten und Geschichtenerzählern. Seit er denken kann, macht Ibrahima Dieng, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, Musik.

Im Kulturforum Klosterkirche trat der afrikanische Vollblutmusiker, der seit 2019 in Deutschland lebt und jetzt in Aschau wohnt, gemeinsam mit drei Chiemgauer Profimusikern auf und nahm die etwa 140 Gäste mit auf eine Klangreise nach Westafrika. Kalaama trat als Sänger im muttersprachlichen Dialekt von Wolof und Lingala auf, die er mit dem „Boarischen“ in Westafrika verglich. Den Rhythmus gab er mit einer mikrofonierten Calebasse (Kürbis)-Drum mit Verstärker vor, die er gekonnt mit Faust, Fingern, Ringen und Jazzbesen bearbeitete. Begleitet wurde Kalaama vom Chieminger Wolfgang „Woody“ Klausner (Drums und Small Percussion), von Stefan Weißleder (Keyboard) aus Rosenheim und Philip Wipfler (Bass) aus Ruhpolding. Den Zuhörern wurde ein eindrucksvolles Konzert mit einer Mischung aus Afrobeat, Funk-Grooves, Reggae, Jazz und zeitgenössischer World Musik geboten, das aufgrund der körperlichen und gesanglichen Dominanz von Ibou Kalaama durchwegs im afrikanischen Stil verlief. Drummer „Woody“ Klausner sorgte nicht nur mit seinem speziellen Schlagzeug als Blickfang für Aufmerksamkeit. Damit konnte er auch fein abgestimmte Ethno-Sounds mit klanglicher Weite erzeugen, die zusammen mit präzisem Zeitgefühl die Verbindung zwischen westafrikanischer Rhythmik und populären funky World-Beats herstellten. So entstand ein Dialog aus traditionellen und modernen Impulsen, der auf das Publikum übersprang. Einige Zuschauer begannen zu tanzen, andere klatschten, auch unterstützende Anfeuerungsrufe waren zu hören. Es dauerte eine Weile bis sich Ibou Kalaama nach Liedern wie „Afrika“, „Kalaama“ (aus Wolof übersetzt „Sprache“, weil Ibou neben den afrikanischen Dialektsprachen auch Französisch, Englisch und Deutsch spricht) das erste Mal an das Publikum wandte: „Ich singe mehr, als ich rede“, sagte er kurz und bündig.

Es folgte das 2015 von ihm veröffentlichte Lied „Nouvelle Ère“ (Neue Ära) von gleichnamigen Album. Die weitere Liedfolge spannte einen Bogen von meditativer Klangvielfalt, tanzbaren Balladen bis zu energiegeladenen temporeichen Passagen – mit Raum für Soli, musikalischen Dialog der Solisten und improvisatorischen Höhepunkten.

Nach der Pause nahm Ibou Kalaama Bezug auf die drei weißen Tränen, die er sich unter sein rechtes Auge geschminkt hatte. Es nimmt Bezug auf das Lied „Talibé“ (Straßenkinder), so Ibou. „Die Straßenkinder, die kein Zuhause haben, machen mich traurig. Meine Tränen stehen aber auch für die Welt, die zur Zeit sehr traurig ist. Musik ist die Lösung. Wir brauchen Musik“, ergänzte Ibou Kalaama.

Mit Liedern wie „Di Mama“ und „Gualgui“ ging es in die Verlängerung. Das Publikum hatte nach Zugaben verlangt und klatschte eifrig mit. Bei den dann folgenden zwei Final-Songs kam der Priener Isaak Blecher als Gast-Trommler hinzu und fügte sich mit seinem Djembe-Spiel nahtlos in das Ensemble ein. Schade, dass die erläuternden Hintergründe zu den Titeln des Konzertes so knapp ausfielen. Das Publikum war begeistert von der authentischen Klangvielfalt, die einen musikalischen Kurztrip ins moderne Westafrika ermöglicht hat. Arno Zandl

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