Rosenheim – Während unten in den Tälern unserer Region gegen Ende des Winters schon längst der Schnee weggeschmolzen ist, fängt der Schnee auf den Südseiten der Berge in unserer Region schon an zu apern. Dadurch kann schon bald das Bergwandern wieder losgehen.
Es „apert“: Kennt jemand noch diesen bairischen Begriff? Probieren wir es über dessen lateinisches Grundwort: „aperire“ bedeutet „öffnen, frei werden“. „Apern“ heißt also „schneefrei werden“, vorne mit hellem, länglichem a. Und „Bergwandern“? Die Einheimischen sprechen hier „Berggehen“, auf boarisch: „Berggeh“. Sie würden auch nicht den Berg „hochgehen“, sondern „hinaufgehen“, also „auffigeh“, was ursprünglich „aufhin-gehen“ hieß. In der Gegenrichtung, nach unten, heißt es auf boarisch „owigeh“, ursprünglich „abhin-gehen“, „hinabgehen“. Das o in „owi“ spricht sich wie in Englisch „caught“.
Das Wort „Berg“ ist einerseits ein Oberbegriff für allerlei Erhebungen in der Landschaft, andererseits selber ein Spezialwort für eine ganz bestimmte Art von landschaftlicher Erhebung. Ein Bichl, auch als Büh(e)l geschrieben, ist nur ein sehr kleiner Berg, „a Bergl“. Manchmal werden Bichl und Bergl auch miteinander getauscht. So lautete der Münchner Stadtteil Hasenbergl 1697 „Laimpichl“ (= Lehmhügel),1753, als hier Kaninchen zur kurfürstlichen Jagd gehegt wurden, „Küniglberg „ (= Karnickelberg), 1812 „Kaninchenberg“, bis im Anklang an die Bezeichnung einer „Hasenhütte“ des dortigen Wildhüters der Namenswechsel zu „Hasenbergl“ erfolgte.
Der Irschenberg (bis zu 756 Meter hoch) ist dagegen kein Bergl oder gar Bichl, sondern genauso wie der Sulzberg (1117 Meter), der Schwarzenberg (1187 Meter) und der Samerberg eine stattliche, aber nicht ganz so hohe Erhebung wie ein sogenannter „Stein“, etwa wie im Falle vom Geigelstein (1808 Meter), Breitenstein – gleich zweimal in unserem Gebiet – und Wendelstein (1838 Meter). Bichl oder Bergl, dann Berg, dann Stein: Geht’s bezeichnungsmäßig noch höher hinauf in unserem Voralpengebiet? Für noch markantere Erhebungen, als es unsere Stein-Berge sind, bräuchten wir den Begriff „Spitz“. Den finden wir im höher gelegenen Wettersteingebirge natürlich bei der Zugspitze (2962 Meter), früher: „der Zugspitz“. Allerdings wird hier in erster Linie die spitze Form des Berges beschrieben, nicht notwendigerweise seine Höhe.
Beschreibende Bergnamen haben wir hier freilich auch zu bieten. Gleichsam sprechende Bergnamen haben der Riesenkopf und das Lechner Köpfe. Das Feichteck (1514 Meter) hat einen (mit Fichten, bairisch Feichten, bewachsenen) vorspringenden Bergrücken im Namen. Neben dem Kopf und dem Eck findet man außerdem die Wand – Hochsalwand, Haidwand, Kampenwand – und das Horn – Kranzhorn – als Bergnamen vor. Nicht zu vergessen die Hochries (1568 Meter), deren Grundwort „Ries“ sich laut Johann Andreas Schmeller („Bayerisches Wörterbuch“) als eine „natürliche, von aller Vegetation entblößte Rinne an einem Berge, in welcher Wasser, Gestein, Sand et cetera niederreiset“ deuten lässt, oder als Rinne, wo „geschlagenes Holz herabgeschossen wird“. Bergnamen sind bisweilen auch Geschichtsquellen! Armin Höfer