Kiefersfelden – Der Todestag von John Dowland jährte sich am 20. Februar zum 400. Mal. „Semper dolens, semper Dowland“, also: immer leidend, immer Dowland, sagte John Dowland, der Hohepriester der Melancholie, selber über sich. Berühmt wurde der englische Lautenist, der in Deutschland, Dänemark und England wirkte, mit seinen Lautenliedern, die sogar Sting veranlassten, eine CD mit dem Titel „Songs From The Labyrinth“ einzuspielen.
1604 schrieb Dowland einen siebenteiligen Zyklus: „Lachrimae“ oder „Sieben Tränen“ für fünf Gamben und Laute. Diese „Sieben Tränen“ beruhen alle auf derselben melancholisch absteigenden Melodie. Diese Tränen spielte das Gambenconsort „Catacoustic“ nun in der Heilig-Kreuz-Kirche in Kiefersfelden in geheimnisvollem Dunkel, nur von vielen Kerzen erhellt.
Annalisa Pappano, die Gründerin und Leiterin von „Catacoustic“, versammelte weitere Gambistinnen um sich: Anja Engelberg, Eva Fürtinger, Katharina Lampersberger und Salome Ryser, dazu kam Hans Brüderl als Lautenist.
Dieses Sextett produzierte Musik, die das Herz zum Schmelzen bringt, Musik wie tropfende Tränen, Tränen des Liebeswehs und der Melancholie, Tränen, die mittels Musik dann doch Trost gaben: „Obwohl der Titel Tränen verspricht, sind die Tränen, die die Musik weint, doch angenehm“, schrieb Dowland selber im Vorwort seiner „Lachrimae“. Die Gambistinnen und der Lautenist spielten feinste Kammermusik, die sich im halligen Kirchenraum dann doch groß symphonisch entfaltete. Das reichhaltige, abwechslungsreiche und oftmals ungemein fragil anmutende Stimmen- und Stimmungsgewebe klang sinnlich, ja fast saftig in seiner Klangkonsistenz, zur Meditation anregend und doch auch ein klein bisschen aufregend, weil man alle verschiedenen Variationsmöglichkeiten der Hauptmelodie und den Harmonien-Reichtum mit den überraschenden Modulationen verfolgen wollte: Gambenmusik in ihrer sensuell sinnlichsten Form. Damit man nicht ganz in der Melancholie versank, folgten den sieben langsamen Stücken, den gravitätisch schreitenden Pavanen, lebhafte Gaillards. Worte gliederten die Sätze: Anahita Ahsef rezitierte dazwischen mit klingender Stimme und ausdrucksvoller Artikulation Gedichte. Englische Verse wie „My drops of tears“ aus Shakespeares „Henry VIII.“ und „The true knowledge“ von Oscar Wilde, und deutsche Gedichte von Rainer Maria Rilke, Heinrich Heine und am Schluss das träumerische „Nocturno“ von Stefan Zweig, in dem es heißt: „Sanft wie eine segnende Hand / Tönt und vertönt ihre Weise / Leise … so leise … so leise …“ Rainer W. Janka