Rosenheim – Ein ausverkauftes Kultur- und Kongresszentrum, beste Stimmung und ein Comedian in Höchstform: Alex Kristan hat mit seinem aktuellen Programm „Born to be Child“ das Publikum in Rosenheim begeistert. Der österreichische Kabarettist bewies einmal mehr, warum er zu den vielseitigsten Stimmen der deutschsprachigen Comedy-Szene zählt. Alex Kristan versteht es, sein Publikum sofort abzuholen. Mit scharfem Witz, präziser Beobachtungsgabe und seinem Markenzeichen – den zahlreichen Stimmenimitationen – zog er die Zuschauer im großen Saal von der ersten Minute an in seinen Bann.
Vermeintlich harmlose
neue Medien
Anmerkungen zur Digitalisierung und zum Smartphone-Wahn standen am Beginn seines fast dreistündigen Programms, das in jeder Phase hochunterhaltsam war und in das er bei aller Gagdichte scharfe Medienkritik einstreute, das vermeintlich harmlose Tiktok verschärfe die Tendenz zur Radikalisierung und sammle dabei fleißig Daten. Dabei sehe er „die Buchstaben nicht mehr aus der Nähe, aber an Trottel von Weitem“.
Familienprobleme
und Anoraks
Betrachtungen zur eigenen Familie sorgten immer wieder für Lacher: „Wir haben uns gerade geeinigt, dass wir keine Kinder mehr wollen – morgen sagen wir es ihnen.“ Oder das Fortschreiten der Produktwelt: „Ich bin ja schon länger auf der Welt, da war ein Mammut noch ein Viech und koa Jackn.“
Köstlich die Erzählungen aus der Jugend vom Mopedfahren oder wie man am Stammtisch versucht hat, einen brennenden Bart mit Obstler zu löschen oder gar mit Frittenfett. Bekannte bekamen ebenso ihr Fett ab wie der Freund, der sich aus Angst vor der Gasrechnung einen dann wärmenden Hund zulegt. Das eigene Alter stand ebenfalls im Zentrum: „22 Uhr ist das neue Mitternacht“, merkte Kristan an.
Mit Leichtigkeit
und Tiefgang
Alltagsbeobachtungen, gesellschaftliche Entwicklungen und natürlich Kristans Paraderolle als Stimmenkünstler rissen das Publikum hin zu tosendem Applaus. Ob Prominente, Sportler oder fiktive Charaktere – die Übergänge waren fließend und sorgten für viele überraschende Momente. Doch neben aller Leichtigkeit blitzte immer wieder auch Tiefgang auf. Kristan streute bewusst nachdenkliche Töne ein und sprach über den Umgang miteinander in einer zunehmend hektischen Welt. „Humor ist das Allerletzte, das wir in Frage stellen sollten“, erklärte er – ein Satz, der beim Publikum sichtbar nachwirkte.
Die Mischung
stimmte
Die Mischung aus Tempo, Vielseitigkeit und inhaltlicher Substanz machte den Abend zu einem rundum gelungenen Erlebnis. Standing Ovations am Ende bestätigten: Rosenheim hatte einen Comedian erlebt, der nicht nur unterhält, sondern auch Denkanstöße liefert.