Kolbermoor – Sonst juble die Orgel, in der Fastenzeit aber sei sie meditativ, sagte Andreas Bick aus München bei seinem Gastauftritt beim Orgelmittwoch in der Pfarrkirche Wiederkunft Christi und bot auch ein meditatives Programm. Bach war dabei die Klammer.
Bick begann mit der Orgelbearbeitung des Chorals „Vor deinen Thron tret ich hiermit“ BWV 668, Bachs letztem Werk, das er auf dem Sterbebett noch diktierte. Demütig und zugleich in gläubiger Zuversicht spielte Bick diesen Choral. Bick endete mit Präludium und Fuge e-Moll BWV 555, wobei er das Präludium mit stetigem Vorwärtsdrang, die Fuge im schwingenden Dreivierteltakt bedeutsam phrasierend spielte.
Alle anderen Werke dazwischen waren in irgendeiner Form meditativ und im Gebets-Gestus gehalten: In dunkle Harmonien gebettet und sich dann aber in Diskanthöhen aufschwingend ist die Choralbearbeitung von „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ des amerikanischen Komponisten Aaron David Miller (Jahrgang 1972). „Gott ist gegenwärtig“ von Christian Heiß (Jahrgang 1967), Domkapellmeister der Regensburger Domspatzen, klang, als neige sich Gott dem Betenden zu, wobei alles in immer schreitender Bewegung ist. Dabei endet dieses Stück nicht harmonisch gerundet, sondern dissonant fragend. Wie ein Gebet auf Französisch wirkt „Offertoire“ von César Franck: volltönend mit Trompeten- und Oboen-Register, schwellend und farbenreich.
Für den langen und herzlichen Beifall gab’s als Dank noch ein Stück von César Franck, das Andantino in g-Moll, das trotz der Moll-Tonart ziemlich beschwingt klang und am Ende ins Ätherische verschimmerte. Rainer W. Janka