„Die Operette liebt mich nicht!“

von Redaktion

Max Müller begeistert seine Fans mit Arien und G‘schichterln

Rosenheim – Wenn Max Müller, sonst bekannt als der Polizist Michi Mohr aus den „Rosenheim-Cops“, ruft, kommen sie alle und füllen das Kuko. Beste Stimmung also für einen Abend voller Operettenmelodien. „Ich liebe die Operette!“, ruft Müller anfangs emphatisch aus, um dann aber zu bedauern: „Ich hab‘ sie lieber als sie mich.“ Weil die schönsten Arien den Tenören gehören, er aber „nur“ ein Bariton ist. Die Operette sei so schön, weil sie einem alles erlaube, sagt Müller, Liebe, Lebensfreude, Tränen und Geschichten in exotischen Ländern. All dies hörte man in seinen Arien.

Enorme
Bühnenpräsenz

Müller sang aber nicht nur, sondern spielte, als echtes „Theater-Tier“, mit enormer Bühnenpräsenz: Er tanzte, sang mal auf seinem Barhocker, mal auf dem Boden sitzend und einmal von hinten durchs Publikum schreitend, setzte eine schwarze Sonnenbrille auf oder streute Konfetti über sein temperament- und lustvoll aufspielendes Begleitstreichquartett, das Adamas-Quartett, das, weil mikrofonverstärkt, fast symphonisch klang. Am Klavier saß hochanimiert Volker Nemmer.

Müller sang nicht nur, sondern erzählte heitere G‘schichterln aus der Kulturgeschichte: Er erklärte kurz die „Fächer-Sprache“ der Frauen, rezitierte aus dem „Buch der guten Sitten“, wie eine Dame sich Männern gegenüber verhält, und das Gedicht „Einheitspartei“ von Erich Kästner, in dem die „Müller-Partei“ (!) die Herrschaft ergreift.

Operetten-Arien gab’s von Johann Strauß bis Franz Lehár, von Jacques Offenbach bis Ralph Benatzky und von Eduard Künneke bis Friedrich Schröder. Max Müller ist ja ein gelernter Sänger mit einem angenehm timbrierten Bariton. So manche Melodien summten die Zuhörer leise mit, so die gesungene Ball-Orgie „Brüderlein und Schwesterlein“ aus „Die Fledermaus“, zu der sich die Bühne rotviolett einfärbte, oder „Ich bin nur ein armer Wandergesell“ aus „Der Vetter aus Dingsda“ von Eduard Künneke. Schnell ließ sich das Publikum zum Mitklatschen animieren im „Höllen-Can-Can“ aus Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“.

Ein wahrer englischer Schnellsprechzungenbrecher war „Mey Eyes Are Fully Open to My Awful Situation“ aus der Operette „Ruddigore“ von Gilbert & Sullivan, ein „Patter-Song“, das ist ein Lied, in dem in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Wörter gesungen werden.

Immer auch
Zeitgeschichte

Max Müller verhehlte nicht, was vielen Operettenkomponisten und -librettisten in der NS-Zeit geschah: Bestenfalls wurden ihre Namen getilgt, schlechtestenfalls wurden sie im KZ ermordet. Ein Gegenstück dazu war ein Medley aus „Hochzeitsnacht im Paradies“ von Friedrich Schröder, der sowohl in der NS-Zeit als auch in der Nachkriegszeit äußerst erfolgreich war: Operettengeschichte ist auch Zeitgeschichte.

Max Müller ließ aufblitzen, was Volker Klotz, der „Operetten-Papst“, in seinem Buch „Operette. Porträt und Handbuch einer unerhörten Kunst“ feststellt: „Die Operette ist besser als ihr Ruf. Sie könnte auch heute noch sein, was sie vor 100 Jahren war: eine eigenwertige, eine fortschrittliche, eine vitale und vitalisierende Kunst.“

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