Versiert in allen Stilen

von Redaktion

Umjubelter Auftritt des Trios „34u“ im Antretter-Saal in Stephanskirchen

Stephanskirchen – Alle drei sind heuer noch Schüler des Ignaz-Günther-Gymnasiums, aber schon Jungstudenten in Salzburg und München und vielfach preisgekrönt. Waren sie früher eher musikalisches Beiwerk bei Auftritten anderer, haben sie sich mittlerweile zu Auftrittsprofis entwickelt. Alles stimmt: das gut ausgeklügelte, abwechslungs- und spannungsreiche Programm, das souveräne Auftreten voll groovender Lässigkeit zusammen mit absolut zuverlässiger instrumentaler Meisterschaft, das Ton-Equipment, das die Instrumente verstärkt, die informativen, konzisen und doch humorvollen Anmoderationen und der selbstverständliche Umgang mit dem Mikrofon, an dem oft erwachsene Profis scheitern. Angenehm ist der sofort sich einstellende Kontakt mit dem Publikum und witzig ist der wort- und zahlenspielende Name des Trios: Es handelt sich um das englisch auszusprechende „34u“. Der Antretter-Saal war brechend voll, die Stimmung hochanimiert. Jakob Kastner spielt die steirische Harmonika und Klavier und ist wohl der kreative Kopf des Trios, weil er selber auch komponiert und arrangiert. Benno Panhans spielt Gitarre und Raphael Bauer Kontrabass. Aber alle spielen nicht nur, sie kommunizieren untereinander unauffällig mit Blicken oder Körperwendungen, vor allem aber mit der unverstellten Freude am gemeinsamen Spiel. Versiert sind sie in allen musikalischen Stilen, wechseln blitzschnell zwischen Volksmusik und Jazz hin und her und können aber auch Klassik: Berührend ist, wie sie den Bach-Choral „Jesu bleibet meine Freude“ auf ihre Instrumente verteilt haben und damit einen Moment größter Innigkeit schaffen. Benno Panhans spielte äußerst kunstfertig, ja virtuos den Winter aus den „Vier Jahreszeiten von Buenos Aires“ von Astor Piazzolla, zu dem sich die Bandkollegen später dazugesellten, sowie den von dem Jazzpianisten Chick Corea arrangierten langsamen Satz aus dem berühmten „Concierto de Aranjuez“ von Joaquin Rodrigo, den Corea „Spain“ nannte. Jakob Kastner wechselte ans Klavier, wo er – etwas verinnerlicht verlangsamt – „Country“ des berühmten Jazzpianisten Keith Jarrett spielte, zusammen mit Raphael Bauer.

Der ist auch ein Phänomen, wenn er die vergnügten Basszupftöne bei der Volksmusik genauso souverän spielt wie die maßgeblichen Basslinien beim Jazz, die gleichzeitig den Rhythmus markieren, und überhaupt alle Finger auf den Saiten wirbeln lässt. Die drei adaptieren alles für ihre Trio-Formation und machen alles zu ihrer Musik, auch den Abschiedswalzer „Teresa“ des Jazz-Bassisten Jaco Pastorius, der ganz melancholisch leise daherkommt.

Einige Stücke zeigten, wie gut Jakob Kastner komponiert, darunter eines, das nach einem kroatischen Getränk benannt ist. Fröhlich munter jazzten sie im Dixie-Rhythmus beim flotten „All of me“ und „Ain‘t She Sweet“. Nicht fehlen durften Stücke des Ziach-Gottes Herbert Pixner, am Ende klatschten die hochbegeisterten Zuhörer, die schon jedes einzelne Stück frenetisch gefeiert hatten, mit beim „Feierabend im Ritz“, der Volksmusik und Jazz ungeniert mischt.

Rainer W. Janka

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