Eine Lanze für musikalische Frauen

von Redaktion

Matinee im Künstlerhof mit Streichquartetten von Komponistinnen

Rosenheim – Weibliche Schriftsteller und Dichter sind längst gang und gäbe, sogar mitunter Nobelpreis gekrönt; das abwertende Wort von den „Malweibern“ ist gottlob Historie, doch wie steht es mit Komponistinnen? Einzelne Beispiele zieren zwar punktuell die Musikgeschichte, sind aber eher die Ausnahme von der Regel.

Passend zum
„Internationalen Frauentag“

Rechtzeitig zum „Internationalen Frauentag“ brach der Tonkünstlerverband im Rosenheimer Künstlerhof eine Lanze für die musikalische Frauenpower. Das Carreno-Streichquartett stellte sechs Komponistinnen in den Mittelpunkt und das war viel mehr als nur eine Goodwill-Aktion: Das „andächtig lauschende“ Publikum, wie die erste Geigerin Susanne Hehenberger dankbar vermerkte, folgte einem spannend kontrastierenden Programm. Die komponierenden Damen erwiesen sich als eigenständige Künstlerpersönlichkeiten, die kraftvoll, souverän, doch auch mutig wie anmutig ihren „Mann“ standen, nicht immer vielleicht gleichberechtigt im Musikbetrieb, doch in Sachen Kunst absolut gleichwertig.

Ein extra Lob gilt dem Ensemble des Carreno-Quartetts für das Engagement eines Programms abseits des Mainstreams. Der Name huldigt der Komponistin Teresa Carreno, die 1853 in Caracas geboren, 1917 in New York starb. Aber nun sind endlich die weiteren Mitglieder dieses Quartetts nachzutragen: Constanze Germann-Bauer (zweite Violine), an der Bratsche Romana Kemlein-Laber und die Spanierin Maria José Navarro bediente das Cello. Minutiöses Zusammenspiel ist bei einem Quartett natürlich Voraussetzung; doch war es faszinierend, wie sich die Musikerinnen die Motive zuspielten, plötzliche Impulse wie durch Osmose aufnahmen und so ein herrlich intimes und doch vergnügliches Gespräch führten.

Dieses „Gespräch“ war bei Maddalena Laura Lobardini Sirmen hörbar von venezianischem Ambiente grundiert. Da war der unbeschwerte Geist von Vivaldi noch zu spüren. Den größten Bekanntheitsgrad hat ohne Zweifel Fanny Hensel-Mendelssohn. Warum? Das ist dem berühmten Bruder zu danken! Trotzdem, Fanny ging eigene Wege und vereinigte Zartheit und auch Emphase zu einer attraktiven Musik. Zupackender und energischer erklang das Streichquartett von Emilie Mayer. Fast ist man versucht, das Wort „männlich“ zu ihrer Charakterisierung zu verwenden. Lateinamerikanischen Schwung, gemischt mit delikaten, schwirrenden Klängen, hört man bei Teresa Carreno.

Als kompositorisches Schwergewicht schuf die vielseitige Dora Pejacevic in ihrem kurzen Leben fast 60 zum Teil ausladende symphonische Werke. Als Gräfin in Ungarn geboren, wuchs sie in Kroatien auf und starb kurz nach der Geburt des Sohnes 1923 in München. In ihrem einzigen Streichquartett besticht ein klangsatter „Faltenwurf“, farbig schillernde Impressionismen und diskrete Anklänge an die Folklore ihrer Heimat.

Eine Hommage
an Österreich

Den Vogel aber (wenn man das so salopp sagen darf) schoss die Österreicherin Johanna Doderer ab. 1969 geboren, Großnichte des berühmten Schriftstellers, hat sie ihr 5. Streichquartett „Mattsee“ genannt, sicher eine Hommage an Österreich. Das Glitzern des im Sonnenlicht sich kräuselnden Wassers, aber auch gewaltige Stürme ließen das Publikum eine Natur ohne Klischee, aber von urtümlicher Gewalt, ohne Sentimentalität, doch sogar mit einem Quäntchen Idylle erleben. Ein bezwingendes Finale der von Alice Guinet in dieser Saison betreuten Matineen! Riesenbeifall, Blumen und ein kurzes quirliges Scherzo von Emilie Mayer als Zugabe.

Artikel 1 von 11