Faszinierende Klarheit und Farbigkeit

von Redaktion

Das Simply Quartet brilliert im Schlosssaal von Neubeuern

Neubeuern – Das mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Simply Quartet kennzeichnet eine überragende Klangkultur, große technische Perfektion und funkensprühende Spielfreude. Im Schlosssaal von Neubeuern spielten Jiayi Chen und Antonia Rankersberger (Violine), Xiang Lyu (Viola) und Ivan Valentin Hollup Roald (Violoncello) Streichquartette von Debussy und Schostakowitsch sowie die italienische Serenade von Hugo Wolf in einer Fassung für Streichquartett.

Im g-Moll-Streichquartett op. 10 von Claude Debussy nimmt eine außergewöhnliche Rhythmik gefangen. Immer wieder wird ein gleicher Gedanke mit exotischen Klängen umspielt. Energisch und klar brachte das Simply Quartet den ersten Satz „Bewegt und sehr entschieden“ zum Erklingen. Die Musik schien mal zart und leise zu zerfließen, dann wieder entfaltete sich eine kraftvolle Dynamik, die das Publikum bannte. Im elegisch anmutenden Scherzo faszinierten raffinierte Pizzicati und klangvolle Akkorde.

Berührend war das Solo der Bratsche im Andantino. Harmonische Dissonanzen und nervöse melodische Steigerungen prägten den farbigen, fein gewebten Schlusssatz. Dem Simply Quartet gelang eine funkelnd klare Interpretation, nach der begeisterter Beifall aufbrandete. Feurig und spritzig war die Italienische Serenade von Hugo Wolf in einer Fassung für Streichquartett.

Das Simply Quartet schien an dem sich ständig wiederholenden scherzhaften Thema, das der Komponist immer wieder lustvoll variiert, spürbare Freude zu empfinden. Die Serenade besaß einen humoristischen Reiz, den das Simply Quartet voll auskostete.

Einen Kontrast dazu bot das Streichquartett Nr. 3 in F-Dur op. 73 von Dmitri Schostakowitsch. Lebhaft und beschwingt mit dramatischen Einschüben ertönte das folkloristisch-tänzerische Allegretto mit einer Doppelfuge, witzig und zündend das Moderato con moto. Nach einem wild zerklüfteten Allegro non troppo, dessen maschinenhafte Rhythmik von Bratsche und Violoncello meisterhaft gestaltet wurde, erklang ein ausdrucksvolles Adagio, in dem die Violine ein trauriges Thema anstimmte. Im Finale, das leise und zart verhallte, verdichtete sich noch einmal die Thematik der früheren Sätze.

Als Dank für den stürmischen Beifall spielte das Simply Quartet noch eine melodische chinesische Humoreske.

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