Vom musikalischen Dunkel ins Licht

von Redaktion

Das AOI Trio verbindet in Grassau Beethoven und Dvorák mit der modernen Klangsprache Toshio Hosokawas

Grassau – Auf dem grünen Hügel in Grassau erlebten die Besucher das Klaviertrio AOI aus Tokio mit außergewöhnlichen Interpretationen des Klaviertrios Nr. 5 in g-Moll Nr. 1 mit dem Beinamen „Geistertrio“ von Ludwig van Beethoven und das Klaviertrio Nr. 3 in f-Moll von Antonin Dvorák, die in einem musikalischen Bogen das Trio von Toshio Hosokawa (Jahrgang 1955) einrahmten.

Der Leiter der Wolfgang- Sawallisch-Stiftung, Andreas Hérm Baumgartner, erklärte in seiner Begrüßung das Motto des Konzerts „Von Geistern und Stimmen“. Es sei das erste von zwei Konzerten mit japanischen Künstlern.

Kyoko Ogawa (Violine), Yu Ito (Violoncello) und Kosuke Akimoto (Klavier) nahmen vom ersten Ton an mit einer prunkvollen Klangwucht den Saal der Villa Sawallisch in Besitz und ließen musikalisch die Geister und Stimmen des Mottos auftauchen. Mit ihrer kraftvollen Gestaltung hätten sie mit Leichtigkeit einen weitaus größeren Konzertsaal bespielen können. Ihr starker Einstieg in den ersten Satz des „Geistertrios“ lotete den Klangraum aus. Energiegeladen fand sich eine Fülle von Lebenskraft in all ihren Darbietungen, sowohl in der kontrastreichen Dynamik vom feurigen Fortissimo bis zum feinsten Piano, als auch in den virtuosen Passagen.

Ausdrucksstark war der zweite Satz „Largo assai ed espressivo“, dem Beethovens Klavierschüler Carl Czerny das Prädikat „Geistersatz“ gab – gespenstisch anmutend und dennoch intensiv aufblühend. „Jeder Ton lebte“, sagte eine Besucherin und meinte sicherlich das gesamte Konzert.

Den durchweg virtuosen Klavierpart ließ mit Bravour Kosuke Akimoto hören. Kyoko Ogawa und Yu Ito ließen die Saiten mit allen Streicher-Techniken erklingen und erzählten die musikalischen Botschaften der Komponisten. Die traumwandlerische Sicherheit des Pianisten, die empfindungsreich musizierende Geigerin und der detailfreudige Cellist bildeten eine organische Einheit.

Hosokawas Trio bestach durch eine aufwühlende Klangsteigerung von einzelnen Tönen zu dichten Klangclustern. Die gegenläufigen Glissandi auf Violine und Cello bauten eine Spannung in diesem Klangexperiment auf, das zu einer Klangmeditation wurde. Hosokawas naturinspiriertes Ideal nach den Regeln von „Yin und Yang“, dem Schöpfungsprinzip des taoistischen Kosmos, schuf Bilder im Kopf der Zuhörer.

Gegensätze in den musikalischen Parametern, die sich ergänzen, ohne sich aufzuheben, kreieren vollkommene Harmonie, hatte Andreas Hérm Baumgartner zu Beginn den japanischen Komponisten zitiert.

In einer Entwicklung vom Dunkel zum Licht in Dvoráks Ausnahmetrio in f-Moll begann dieses voller Dramatik und düsterer Tragik. Nach moderner Synkopen-Rhythmik im „Allegretto grazioso“ des Scherzo, seufzender Pathetik im „Poco adagio“ und dem Wechsel zwischen Klagen und Tänzerischem im Finale brach das Licht immer mehr durch bis zum jubelnden Ende in Dur.

„Unsere Welt mit dem Jenseitigen zu verbinden“ war die Intention Toshio Hosokawas. Dass dies nicht nur für seine Komposition gilt, bewies das AOI Trio eindrücklich. Den begeisterten Applaus beantworteten sie mit dem dritten Satz aus Debussys Trio. Brigitte Janoschka

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