Auf der Suche nach musikalischen Glücksmomenten

von Redaktion

Pianistin Masako Ohta und Trompeter Matthias Lindermayr mit wellenartigen Melodien bei „Jazz am Roseneck“

Prien – Innige Klänge, zarte Harmonien, souverän virtuos die Möglichkeiten von Flügel und Trompete auslotend – die Pianistin Masako Ohta und der Trompeter Matthias Lindermayr, beide für den deutschen Jazzpreis nominiert, nahmen bei ihrem Konzert bei „Jazz am Roseneck“ die Zuhörer mit auf eine berührende Reise. Eine Reise, bei der Jazz der leisen, feinsinnigen Art erklang und der in sanften Wellen floss. Jazz mit treibendem Stil, der durch entspanntes Tempo überzeugte, aber auch mit seinen Wendungen überraschte.

Aus den beiden Alben „Mmmmh“ und „Nozomi“ (japan., Hoffnung) präsentieren die beiden einige Stücke. Der Titel „Hatsuhinode“ (japan., der erste Sonnenaufgang im neuen Jahr) ist Programm: Wohlfeil, sich sanft entfaltend, eine innere Ruhe ausstrahlend, so stellt man sich einen Neuanfang, einen Sonnenaufgang vor, der nahtlos überfloß in „Agora“ und „Ostinato.“

Lindermayrs luftiger Ton und sein lyrisches Spiel wurden von Ohtas akkordischer Begleitung eingehüllt, Töne spannten und entspannten sich, bewegten sich wieder zurück. Die Intuition des Duos gab den Kurs vor. Das Publikum? ließ sich auf dieses andächtige Spiel ein. Da ist „Shizuku“ (japan., Wassertropfen), bei dem Lindermayr seiner Trompete eine Vielfalt an unterschiedlicher Tonalität entlockt. Mal streichelt er den Ton, mal wirbelt er ihn, ohne Dämpfer, Atem, Luftströme, Obertöne, entkernte Töne, volle klare Töne. Das Spiel der Pianistin wirkt nicht minder faszinierend: Ihr stupender Anschlag ist das eine, wie mühelos, wie unaufgeregt sie kaskadenartige perlende Läufe nimmt, wie wunderbar, wie staunenswert sie Verzierungen einfügt, das andere. An manchen Stellen kriecht sie beinahe in ihr Instrument, so verschmelzen bei ihr Töne und Spiel. Die Musik lässt sich schwer beschreiben: Da meint man, Bach zu hören, da Cage, da Schubert, und erinnert das nicht an Japan? Eine Interpretation von Ryuichi Sakamotos „Hibari“ (japan., Lerchen) ist eine perfekte Symbiose von Jazz, Klassik und japanischen Einflüssen. „Niwa“ (japan., Garten, Hof) ist eine Erinnerung an einen Besuch eines japanischen Tempels. „ Wir saßen zu dritt an diesem Steingarten und kamen völlig zur Ruhe. Wir sprachen kein Wort, sondern schauten einfach nur den Steingarten an“, so Mindermayr. Was für eine Einleitung: Ein japanischer Steingarten, in dem man mutterseelenallein ist. Genau diesen Moment fing das Duo ein, Lindermayr spielte heisere Töne (ohne Dämpfer), Ohta hingegen griff in den Flügel, schlug die Saiten mit Ess-Stäbchen oder schlug Töne auf den Tasten an. Japan zu Gast in Prien.

Später im Programm wurde es wehmütig mit „all good things are four“, feenhaft mit „Oli’s balloons“ und noch später träumerisch mit „Tio.“ Masako Ohtas und Matthias Lindermayrs Musik ist zart, intensiv, atmosphärisch dicht gewebt. Es sind Miniaturen aus frei fließenden Bewegungen und ruhigen Melodien, die intensives Zuhören erfordern und die dennoch für innere Einkehr sorgen. Das „Mmmmh“ des ersten Albums ist Programm, es kann den Genuss einer Köstlichkeit umschreiben, aber auch Appetit auf mehr machen. Mit Nozomi (Hoffnung) hat das Duo diesen Wunsch nach Glücksmomenten fortgesetzt.

Elisabeth Kirchner

Artikel 8 von 9