Haarsträubende Paragrafen und Multimedia-Comedy

von Redaktion

Michael Altinger und seine „Brettl“-Gäste treten im historischen Rathaussaal von Wasserburg auf

Wasserburg – Beste Unterhaltung mit viel Wortwitz und Gesang bot „Altingers Brettl“ im voll besetzten Rathaussaal. Zu Gast waren Werner Kozcwara, Luksan Wunder und Luise Kinseher, um Höhepunkte ihrer aktuellen Kabarettprogramme vorzustellen.

Traditionell startete Moderator Michael Altinger zum Einstieg mit seinen neuesten Brettl-Spitzen. Gar nicht gut weg kam dabei der Münchner Oberbürgermeister. Der FC-Bayern-Fan stolperte ausgerechnet über seinen geliebten Verein. Er hatte dummerweise vergessen, sich eine nicht unerhebliche Zahlung für seine Posten beim FCB vorher genehmigen zu lassen. Aber auch die Amerikaner hatten einiges auszuhalten. Ohne Levi Strauss, der einst aus Oberfranken in die USA eingewandert ist, hätten „Amis“ heute nicht einmal Hosen. Vielleicht wären selbige auch gar nicht mehr notwendig. Denn schließlich hat der führende Wissenschaftler und Präsident der USA in Personalunion doch festgestellt, dass Treibhausgase fürs Klima völlig unschädlich sind.

Musikalische Unterstützung erhielt Altinger von dem Gitarristen Andreas Rother, der anschließend auch jeden Gast mit einem fetzigen Gitarren-Solo begrüßte.

Dass Rechtsgelehrte ihre ganz eigene Sprache pflegen, weiß ein jeder, der schon einmal vor Gericht gestanden ist. Wie laut der juristische Amtsschimmel aber tatsächlich wiehern kann, hat wohl selbst die Klageerfahrenen im Publikum aufgeschreckt. Werner Koczwara aus Schwäbisch Gmünd, vielfach ausgezeichnet und seit vier Jahrzehnten kabarettistisch unterwegs, erbrachte den Beweis. So manche Paragrafen und Urteile fallen in die Kategorie Realsatire in Bestform. So kann eine Ehe nach Paragraf 1314 des Bürgerlichen Gesetzbuches aufgehoben werden, wenn einer oder beide Partner bei der Eheschließung bewusstlos waren. Die in Koczwaras Justizkabarett zitierten Klageschriften und Urteile waren nicht weniger haarsträubend. Besonders die Urteilsbegründungen bei Klagen im Reiserecht sorgten für jede Menge Lacher. So hielt ein Urteil hilfreiche Tipps parat, wie der Koitus bei zwei verrutschten Betten, die als Doppelbett gebucht waren, trotzdem vollzogen hätte werden können. Die Schadensersatzklage gegen den Reiseveranstalter aber wurde damit abgewiesen.

Mit einer bislang noch wenig bekannten Form der Unterhaltung begeisterten „Luksan Wunder“. Das Comedy-Ensemble aus Berlin und Freiburg zeichnet sich durch eine ganz besondere Mischung aus absurdem Humor, Wortwitz und überraschenden Perspektivenwechsel aus. Mit „Luksan Wunder“ ist virtuelle Comedy mit Niveau in den digitalen Plattformen der Social-Media-Netzwerke endlich erfolgreich angekommen. Ihre reale Stärke aber ist die unglaublich witzige Bühnenpräsenz. Scheinbar banale Alltagsereignisse über eine durch die Feuerwehr gerettete Katze wurden als Meldung des Tages von fünf unterschiedlichen Sendern gezeigt, vom Trash-Fernsehen bis hin zum anspruchsvollen Kultursender. Nicht besser erging es bekannten Songs der Gruppen „Scooter“ oder Pur, gesungen von Sandro de Lorenzo und Charlotte Hübsch mit neuen vorwitzigen Texten, eine atemberaubende Mixtur aus Musik, Video, Kabarett und Comedy.

Als „Mama Bavaria“ vom Nockherberg ist sie zur Legende geworden. Weniger spektakulär, aber mindestens genauso unterhaltsam war ihr Auftritt als „Mary from Bavary“ im Wasserburger Rathaussaal. Dort plauderte Luise Kinseher aus dem Nähkästchen ihrer Gefühle: „Ich war immer auf der Suche nach der großen Liebe, da kommt man viel rum“.

Auch physikalisch scheint Luise Kinseher auf Draht zu sein. Sie erklärte überaus unterhaltsam die Quantentheorie. Und toll singen kann sie auch noch. Ihr Duett mit ihrem Tontechniker und dem Klassiker „(I‘ve Had) The Time of My Life“ aus dem Film „Dirty Dancing“ war einfach Klasse. Mit bayerischem Witz, kluger Gesellschaftskritik und pointierten Beobachtungen aus menschlichen Schwächen, Alltag und Politik ging schließlich ein ausgezeichneter Brettlabend zu Ende. Wolfgang Janeczka

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