Aschau – Zu einem Extra-Konzert hatte die Sinfonia Aschau in die Pfarrkirche Darstellung des Herrn eingeladen. Für das abwechslungsreiche Programm hatte Robert Stufler, ortsansässiger Gründer des Kammerorchesters, nicht nur aus der Schatzkiste der barocken Kirchenliteratur musikalische Perlen geborgen, sondern auch modernere und zeitgenössische Kirchenliteratur eingefügt.
Auftakt
technisch versiert
Vor allem bei den barocken Stücken bewies das elfköpfige Streicherensemble, wunderbar begleitet von Kirchenmusikerin Christine Klinger am kleinen Orgelpositiv, technische Versiertheit und Hingabe. Schon die Ouvertüre, das concerto a-Moll von Alessandro Scarlatti, bei dem Andreas Schaeffer technisch präzise als Solist auf der Altblockflöte glänzte, ließ aufhorchen. Nicht minder großartig auch die geistlichen Kantaten und Arien, denen sich die vier Sänger, Roswitha Schmelzl (Sopran), Michaela Unterseher (Alt), Rupert Schäffer (Tenor) und Klaus Maier (Bass), mit Transparenz und warmer Klangfarbe widmeten.
Bei der Kantate „Wo willst du hin?“ von Christoph Graupner nahm man Sopran und Tenor sehr wohl das „dir bleib ich getreu“ ab. Auch die Kantate „Der Tod Jesu“ von Carl Heinrich Graun gelang dem Gesangsquartett samt Streicherensemble vorzüglich.
Anrührend war die Arie aus der Serenata „Hor Che Apollo“ op. 8 von Barbara Strozzi, die Roswitha Schmelzl, „nur“ von Bernhard Lorenz und Rupert Schaeffer (Geige), Götz van der Bey (Cello) und Christine Klinger (Orgelcontinuo) begleitet, mit edlem und klarem Stimmstrom zum Besten gab. Gut farbig ausgedeutet war auch Jan Josef Ignac Brentners „Plaude, exulta, cor meum“, bei dem erneut die Sopranistin, diesmal begleitet von allen Streichern, für einen kleinen Höhepunkt im Programm sorgte.
Als Klammer zwischen den Kantaten fungierten „les barricades mysterieuses“ von Francois Couperin und das „andantino“ von Nga Yung Chan alias Rebecca Kaiserin (Jahrgang 1984) für E-Klavier (Christine Klinger) sowie Ludovico Einaudis (Jahrgang 1955) „I giorni“ für Geige (Bernhard Lorenz), Cello (Götz van der Bey) und E-Klavier. Ob Barock oder zeitgenössische Komposition, auch ohne die Saitenresonanz eines echten Klaviers sorgten die magisch ineinanderfließenden Harmonien des E-Klaviers für Ergriffenheit. Dem kammermusikalischen „Crisantemi“ von Giacomo Puccini allerdings hätte ruhig etwas mehr Dynamik und Melancholie gut getan.
Ebenso war dem Streichensemble beim „Abend wird es wieder“ für Sopran, Alt und Streicher von Robert Stufler (Jahrgang 1937) nach dem Text von Hoffmann von Fallersleben anzumerken, dass das Werk rhythmisch herausfordernd war. Gleichwohl beeindruckte das kurzweilige Werk. Die warmen, klaren Stimmen der beiden Sängerinnen, die samten perlenden Einwürfe der Blockflöte und die stimmige Streicherbegleitung verströmten wohlige, „wahre Abendruh“.
Zeitgenössisches
zum Abschluss
Zum Finale präsentierte das gesamte Ensemble noch zeitgenössische Kirchenliteratur und ließ Dan Forrests (Jahrgang 1978) „And can it be?“ („Kann es denn sein“) erklingen. Musikalische Schlichtheit, aber auch harmonische Schönheit wohnen dem Werk inne, die emotionale Wirkung dieses etwas populistischen Werks ist quasi programmiert. Ein Großteil des Publikums sprang wohl auch deshalb sofort nach dem Schlussakkord verzückt auf und applaudierte.
Gesangsquartett, Streicher, E-Klavier und Blockflöte interpretierten das Kirchenlied gefällig-engagiert, durchsichtig und differenziert, aber überzeugten auch alles in allem im gesamten übrigen Programm. Der Applaus war wahrlich verdient.