Nicht nur die Pflanzenwelt, auch die Tierwelt beginnt mittlerweile aus dem sogenannten Winterschlaf aufzuwachen. „Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt“, pflegten wir Schulkinder um diese Jahreszeit zu singen. Und heutzutage? „Im Märzen de Kiah und Koima wieder auf da Woad umanander springa“?
Doch, es stimmt schon: Kaum waren die Wiesen wieder aper, also schneefrei geworden, dauerte es nicht lange, bis die Landwirtschaft auch draußen wieder sichtbar geworden ist. Man spürt förmlich die Freude der freigelassenen Rinder, obwohl sie natürlich von modernen Elektrozäunen in Schranken gehalten werden.
Abgesehen von den Nutztieren macht sich auch die sonstige Tierwelt wieder verstärkt bemerkbar. Und manche Tiere haben seit jeher die Menschen derart beeindruckt, dass sie es sogar in die der Tierbezeichnung entsprechenden Ortsnamen geschafft haben.
Aber vorneweg soll hier gleich einschränkend bemerkt werden: Ein Fuchsbichl oder ein Wolferkam ist nicht notwendigerweise eine Erhebung oder eine Heimstatt, wo Füchse und Wölfe gelebt haben, sondern ist in aller Regel die Wohnstätte eines früheren Bewohners mit dem Namen Fuchs oder Wolf.
Außerdem kann eine Ortsbezeichnung wie die von Ametsbichl – in der Gemeinde Großkarolinenfeld und in der Gemeinde Aßling gelegen – dazu führen, eine ähnlich klingende Tiergattung hier hinein zu interpretieren. Und schon wären wir da bei der Ameise angelangt. Also: „Ameisenhügel“?
Gelegentlich hört man in den Dörfern noch die Aussprache „Amissn“ statt „Ameisen“. Aber auch damit kommen wir nur schwer zur Erklärung des Ortsnamens Ametsbichl. „Amet“ und „Ameis“: Wie soll das passen? Da folgen wir lieber dem Vorschlag, hier das Wort „Amat“ anzusetzen. Laut Johann Andreas Schmeller – „Bayerisches Wörterbuch“ – war das Amat „das Nachheu, Grumet“. Das Groamad ist tatsächlich nach der Heuernte die zweite Mahd des Gras-Feldes gewesen. So gab es laut Schmeller sogar „das After-Amat, das dritte Heu“, das im südlichen Altlandkreis Bad Aibling „Strah“ (helles a) genannt wurde. In „Aamat verbirgt sich die „Mahd“, das Mähen. Aametsbichl also: ein Hügel, geeignet für das „Amat“, Grumet.
Aber im Falle von Bernau am Chiemsee ist doch wohl schon eine Tierbezeichnung im Ortsnamen enthalten, oder etwa nicht? Hier lautet die Antwort: „Jein“.
Folgen wir doch dem Ortsnamenforscher Wolf-Armin Freiherr von Reitzenstein. In seinem „Lexikon bayerischer Ortsnamen“ steht zu Bernau:
„Als Bestimmungswort kommt der Personenname Pero oder althochdeutsch bero ‚Bär‘ infrage. Für das zweite würde sprechen, dass der Name des benachbarten Dorfes Irschen (…) auf das lateinische Adjektiv ursinus ‚von Bären, Bären-‘ zurückgeführt werden kann; damit könnten beide Ortsnamen auf die frühere Anwesenheit von Bären zurückgehen“.
Immerhin: Bernau und Irschen könnten sehr gut Tierbezeichnungen im Namen haben, was naturgemäß wohl auch für all die bekannten Fisch-Orte Fischbach, Fischhausen gilt. Aber wie steht es mit den Nutztieren im Ortsnamen? Mehr zu Schafwaschen und Kuhdorf gibt es in der nächsten Folge zu lesen.
Armin Höfer