Urstoff einer menschlichen Tragödie

von Redaktion

Junges Theater spielt „Kohlhaas“

Rosenheim – Eine packende Adaption der Kleist-Novelle „Michael Kohlhaas“ präsentierte das Junge Theater Rosenheim auf Einladung der Goethe-Gesellschaft Rosenheim im Künstlerhof am Ludwigsplatz. Die Schauspieler Benedikt Zimmermann und Andreas Schwankl beherrschten nicht nur brillant die hochkomplexe, schwierige Sprache Kleists, sondern beeindruckten das Publikum auch mit stimmigen Einfällen und einem minimalistischen Bühnenbild. So tastete sich Andreas Schwankl, der außer der Hauptfigur Kohlhaas alle anderen Personen spielte, vorsichtig pantomimisch durch die Dunkelheit auf die Bühne, bevor das eigentliche Stück begann.

Die Dialoge zwischen Kohlhaas und dem Junker Wenzel von Tronka, dem Knecht Herse, dem Anwalt und der Frau von Kohlhaas übten wegen der anspruchsvoll-eindringlichen, atemlos vorgetragenen Diktion Kleists eine beklemmende Wirkung aus. Beide Schauspieler agierten mit großer Bühnenpräsenz und sprachen klar und textsicher. Nach der Hinrichtung von Kohlhaas wählten sie einen unkonventionellen Schluss, boten dem Publikum mit den Figuren aus dem Puppenkasten einen bewusst im Unklaren gelassenen Assoziationsraum. Nach dem einstündigen Stück, das gleichsam in hörbarer Stille endete, beantworteten die Schauspieler, die auch oft vor Schulklassen auftreten, viele Fragen aus dem Publikum. Angesichts der Konflikte in der Welt zeigte sich, dass die Grenze zwischen Recht und Unrecht, zwischen Zivilcourage und Terrorismus nicht leicht zu ziehen ist. „Kohlhaas“, erklärten die Schauspieler resümierend, sei der Urstoff einer menschlichen Tragödie. Georg Füchtner

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